DIE ZEIT

Ohne Führung

Weil Johnson das Ruder aus der Hand gab, gerät das westliche Bündnis aus dem Kurs

Das Gespräch von Rambouillet

Das Schloß von Rambouillet hatte unter dem Schmuck, der ihm für den deutschen Gast angelegt wurde, und unter der hellen Januarsonne nichts mehr von der düsteren Bedrohlichkeit, die ihm im allgemeinen sein breiter Turm verleiht.

Ein neuer „Fall Augstein“?

Gibt es schon wieder einen „Fall Augstein“? Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen den Herausgeber des Spiegel. Sie hat ihn zur Vernehmung nach Karlsruhe vorgeladen.

Tartuffe im Kreml

Was ist den Machthabern im Kreml eigentlich wichtiger: Nazimörder der Gerechtigkeit überstellt zu sehen oder das belastende Material gegen diese in der Schublade zu behalten, um es jeweils dann mit moralischer Entrüstung herausziehen zu können, wenn sie sich davon einen propagandistischen Effekt gegen die Bundesrepublik versprechen? Die Bundesregierung hat am 20.

Die versenkte Flotte

Das MLF-Projekt für eine Flotte aus 25 mit Polaris-Raketen zu bestückenden und gemischt zu bemannenden Überwasserschiffen ist im Strudel der atlantischen Meinungsverschiedenheiten versunken und dürfte auch kaum wieder auftauchen.

Fritz Erler und die Grenze

Der Streit um Erlers Äußerungen über das Grenzproblem im Osten und dessen unlösbare Verquickung mit der Wiedervereinigung sowie seine Anregung eines direkten Kontaktes mit Polen zeigt, worauf wir uns während der nächsten Monate bis zur Wahl gefaßt machen müssen: Jeder liegt auf der Lauer, um dem anderen eine mißdeutbare Formulierung negativ auszulegen.

Ostberliner Minenspiele

Die Bonner Erwägungen, entlang der Zonengrenze einen Atomminengürtel anzulegen, gingen nicht auf den glücklichsten Einfall der Bundeswehrführung zurück.

Strauß nur bis Lüneburg?

Das Thema und die Person Strauß wollen die meisten Landesverbände der CDU nach Möglichkeit aus dem Wahlkampf heraushalten. Zu diesem Entschluß sind sie nach sorgfältigen Tests der öffentlichen Meinung gelangt.

Zeitspiegel

Der Präsident des gaullistischen „Mouvement pour la Communauté“, Jacques Dauer, wandte sich in „Le Monde“ gegen deutsche Erklärungen „von leicht provokatorischem Charakter über die Rückgabe der deutschen Ostgebiete“.

Ohne Diktatorengelüste

Die Siegesparade für Pakistans Präsidenten Ayub Khan begann als Freudenfest und endete in einem blutigen Tumult. Jubelnd wälzte sich der Zug seiner Anhänger durch die Straßen von Karachi.

Wer regiert das rote Reich?

Seit kurzem wird in der Sowjetunion eine höchst ungewöhnliche Diskussion geführt. Es geht um die Rolle und Funktion der Kommunistischen Partei in der Sowjetgesellschaft.

Das deutsche Fragezeichen

Auf der Potsdamer Konferenz verkündeten die drei teilnehmenden Siegermächte vor nun bald zwanzig Jahren als eine ihrer Direktiven für die Behandlung des geschlagenen Gegners: „Während der Besatzungszeit ist Deutschland als eine wirtschaftliche Einheit zu betrachten.

Winston Churchill

Am vorigen Freitag erlitt Winston Churchill – wenige Wochen nach seinem neunzigsten Geburtstag – einen Schlaganfall. Das Leben eines Mannes neigte sich dem Ende zu, der ein halbes Jahrhundert lang.

Was ist los mit dem Starfighter?

Es läßt sich nicht mehr verheimlichen, sondern nur noch verniedlichen: Bei dem vielgerühmten Starfighter, dem Glanzstück der Luftwaffe, sind ernste Schwierigkeiten aufgetreten.

Wolf gang Ebert:: Die WV ist nahe

Ich habe es erst auch nicht glauben wollen, aber die Wiedervereinigung („WV“ für Leute, die UN sagen) in den alten Reichsgrenzen, also mit Ostpreußen, aber ohne Westpreußen, scheint plötzlich zum Greifen nah zu sein.

Großbritannien

Loewenstein – einer der Großen auf dem Gebiet der vergleichenden Verfassungslehre und Verfassungsgeschichte – widmet den ersten Teil des Buches dem geschichtlichen Werden dieses ältesten und oft vergeblich nachgeahmten Verfassungsstaates.

Woher kommt de Gaulle?

Soviel man auch allenthalben bei uns über de Gaulle redet: Frankreich ist in der Bundesrepublik ein politisch unbekanntes Land.

Der soziale Pfarrer

Nachdem Theodor Heuss nicht nur durch seine Freundesbiographie, sondern auch durch häufigen Hinweis auf Naumann in seinen Reden diesen Mann der Vergessenheit entrissen hatte, danken wir nun der Friedrich-Naumann-Stiftung die fortschreitende Bekanntschaft mit dem Denken des sozialen Pastors Naumann, des Begründers einer neueren Tradition im deutschen Protestantismus, der man nachträglich wünscht, daß sie breiter und tiefer gewirkt hätte, als es der Fall war.

Rauhe Winde aus dem Osten

In diesem Frühjahr wollte Nikita Chruschtschow die Bundesrepublik besuchen. Das Barometer für die Beziehungen zwischen Bonn und Moskau schwankte kurz vor Chruschtschows Sturz zwischen „veränderlich“ und „freundlich“.

Sukarno wieder friedlich

Bis zum Neujahrstag 1965 wollte der indonesische Präsident Sukarno seinen Nachbarstaat Malaysia zerschmettern. Als dieses Malaysia am selben Tage in den Weltsicherheitsrat einzog, marschierte Sukarno aus der UN aus.

Zwei „Konzile“ in Afrika

Das ökumenische Konzil in Rom hat eine solche Strahlungskraft entwickelt, daß sich auch die beiden anderen christlichen Weltreligionen – Protestanten und Orthodoxe – auf die gewandelte Situation der Kirche einstellen müssen.

Mord am Tanganjikasee

Der erste Monat im Jahre scheint für afrikanische Staatsmänner in ehemals deutschen Kolonialgebieten besonders gefährlich zu sein: Am 13.

Von ZEIT zu ZEIT

Wegen der schweren Erkrankung Sir Winston Churchills mußte der englische Premierminister Harold Wilson seinen Besuch in Bonn und Berlin absagen.

Spielraum zwischen Oder und Neiße?

Fritz Erler hält es für selbstverständlich, daß bei deutsch-polnischen Verhandlungen „um jeden Quadratmeter deutschen Bodens nach den Grenzen von 1937 gerungen werden muß“.

Namen der Woche

Dean Burch, Vorsitzender der republikanischen Partei in den USA und Anhänger Goldwaters, muß zurücktreten. Als Nachfolger hat sich, auf Wunsch Eisenhowers, der Parteivorsitzende aus Ohio, Ray Bliss, erboten.

Erler rührte an Grenz-Tabus

Ludwig Erhard wurde vor seiner Reise nach Rambouillet von einem der größten Interessenverbände der Bundesrepublik am Portepee gefaßt: Der Bund der Vertriebenen bat ihn, er solle Charles de Gaulle klarmachen, daß keine Nation auf ein Viertel ihres Staatsgebietes verzichten könne.

Hinter den Kulissen

Das ist die Landesvermögens- und Bauabteilung bei der Oberfinanzdirektion in Münster. Dort fand Oberregierungsrat Dr. W. zwar, daß gegen eine Veröffentlichung des Bildes der Dortmunder Schule nichts einzuwenden sei; aber eine Genehmigung könne nur die Presseabteilung beim Präsidialamt der Oberfinanzdirektion erteilen.

Christian Wegner

Bücher machen war seine Leidenschaft und sein Beruf, von seiner Jugend, als er im Insel-Verlag bei seinem Onkel Anton Kippenberg das Verlagswesen erlernte, bis in sein Alter.

Meine Schriftstellerei ist Realität!

Es hat nicht viel gefehlt und das kleine Wandsbek (damals Wandsbeck geschrieben) wäre beinahe ein literarisches Zentrum Norddeutschlands geworden.

Der gereimte Mensch

Daß Eugen Roth nacheinander bei zehn Verlagen vorstellig wurde und ihm dennoch kein einziger die „Ein Mensch“-Verse abnehmen mochte, darf nicht verwundern: Wenn ein Buch den Millionen-Erfolg in sich hat, dann muß es auf originelle Weise in reiner Übereinstimmung sein mit den Gefühlen vieler.

Zeitmosaik

Das Schweizer Fernsehen will nicht länger die Rolle eines Außenseiters spielen. Mit großem Mißvergnügen hatten die zuständigen Schweizer Stellen in den letzten Jahren feststellen müssen, daß in der Ost- und Mittelschweiz überwiegend die deutschen und in der Westschweiz die französischen Programme über die einheimischen Bildschirme flimmerten.

Kleiner Kunstkalender

Wieder präsentiert die Kestner-Gesellschaft ein ungleiches Paar. In den Haupträumen den mächtigen, übermächtigen, gewalttätigen HAP Grieshaber, mit den Blättern, die vorher in Lübeck zu sehen waren, und ein paar wesentlichen Ergänzungen, dem Zyklus vom vietnamesischen Hängebauchschwein (Besucher der Achalm kennen das Original) und der größten Holzschnittfolge, die je ein Künstler von Holzstöcken gedruckt hat, dem 3 × 12 m messenden sechsteiligen Holzschnitt „Der Rhein“, der im neuen Bonner Stadttheater plaziert werden soll: ein phantastisches Stelldichein von Lorelei und Winzer, Christopherus und Nixe, römischen Legionären und singenden Maiden, von Mythos, Geschichte und Gelächter.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT Arbeiten von 154 Bildhauern aus den Jahren 1955 bis 1964, die zusammen eine durchaus richtige Vorstellung von den Spielarten, den divergierenden Kräften, den Schwerpunkten der heutigen Plastik vermitteln; dazu in einem biographischen Anhang, alphabetisch geordnet, die Daten der Künstler.

Provinz im deutschen Geist?

Sind im deutschen Geist von heute tatsächlich starke neopositivistische Strömungen vorhanden? Gibt es keine wirkliche geistige Haltung mehr, sind umgreifende Konzeptionen verlorengegangen? Zieht sich wirklich jeder geistige Mensch in Deutschland auf sein Fachgebiet, auf seine „Provinz“ zurück? Es steht uns Deutschen.

Hans Mayers Büchertagebuch (1): Deutscher Parnaß vor 200 Jahren

Auch das „Büchertagebuch“ darf sich bei Faul Celan bedanken. Sein Weihnachtsgeschenk gab den Anstoß. Als das umhüllende braune Packpapier mit den Stempeln und Zollbescheinigungen fiel, denn das Paket kam aus Paris, la;en da vier außerordentlich gut erhaltene braune Lederbände und zeugten, noch bevor ein einziger von ihnen aufgeschlagen worden war, für die Buchbinderkunst des achtzehnten Jahrhunderts.

Sprachkritik als Barometer

Friedrich Torberg ist, wie man weiß, ein streitbarer Mann. Nicht nur seine Tätigkeit als Theaterkritiker weist ihn als solchen aus, sondern mehr noch seine Funktion als Herausgeber des Forum.

Die Polizei – wessen Freund und Helfer?

Je nach Temperament – mit Trauer oder Zähneknirschen – erinnern sich die Mitglieder das „Gewerkschaft der Polizei“ (GdP) heute an das Motto ihres Bundeskongresses, der im Oktober in Wiesbaden stattgefunden hatte.

Marx ist tot, es lebe Chaplin

Am Montag letzter Woche staunte ein Oberleutnant der Mauertruppe nicht schlecht, als ihm von einem Visitierten aus Westberlin die Antwort wurde: Ich würde mich gern mal länger mit Ihnen unterhalten.

Film

„Die blonde Sünderin“ (Frankreich; Verleih: Cine-Union): Schauplatz ist die Côte d’Azur (die Bucht der Engel, so der Originaltitel „La Baie des Anges“): Nizza, Monte Carlo und deren Spielkasinos, der heiße Sommer und der steinige Strand, der Boulevard des Anglais, kleine Eckhotels und die feudalen Paläste der Society mit Suiten, Balkonen und Erkern, eine verbaute Welt, Restbestände des 19.

Theater

Der „Bürgermeister“ ist kein Einzelfall geblieben. Mit jenem Stück hatte der Deutsche Hofmann internationalen Erfolg. Auch seinem „Sohn“ darf eine Bühnenkarriere vorausgesagt werden, obwohl die Münchner Kammerspiele die Uraufführung auf ihrer Studiobühne, im „Werkraumtheater“, herausbrachten.

Montag, 18 Januar, der Funkessay:: Ich liebe Lorca

In dem Panegyrikon auf den spanischen Dichter Lorca des russischen Lyrikers. Andrej Wosnessenskij (er ist 31 Jahre alt, lebt in Moskau als Architekt und bereiste 1960 die USA) finden sich Fundamente einer neuromantischen Poetik.

Fernsehen: Die Badewanne und das Imperfekt

Ernst Schnabel war es, der mit pädagogischem Charme und der Anmut des geheimen Verführers im Dritten Programm des Norddeutschen Rundfunks ein Etablissement beschrieb, das man vergeblich im Verzeichnis von Gaststätten sucht.

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