„Das Wasser des Jordan ist uns so kostbar wie das Blut in unseren Adern“, erklärte feierlich der israelische Ministerpräsident Levi Eschkol, nachdem die arabische Gipfelkonferenz in Kairo endgültig beschlossen hatte, mehrere Quellflüsse des Jordan auf arabisches Gebiet abzuleiten.

Für Israel ist es eine Frage von Krieg oder Frieden, wenn die Araber das Wasser wegnehmen, das die Israelis für die Bewässerung der Wüste Negev brauchen. Noch zweifelt man in Tel Aviv allerdings, ob die Araber überhaupt das nötige Geld für ihre Projekte aufbringen.

Zunächst liegt die Entscheidung bei den Militärs. Es muß sich erst herausstellen, ob der Generalstab des kleinen Libanon tatsächlich den Bau einer Pumpstation auf seinem Territorium zulassen wird. Präsident Nasser hat zwar militärische Hilfe versprochen, falls die Israelis deswegen das Land angreifen sollten. In dem halb christlich, halb muslimischen Staat dürfen aber keine Truppen des gemeinsamen arabischen Oberkommandos stationiert werden. Ein arabischer Vergeltungsschlag an anderer Stelle der langen israelischen Grenzen käme also für den Libanon immer zu spät.

Die arabischen Projekte sind größtenteils noch im Planungsstadium, während Israel bereits seit dem Sommer das Wasserreservoir des See Genezareth anzapft. 426 Millionen Kubikmeter Nutzwasser aus dem Jordan (33 Prozent) hatte 1953 Eisenhowers Sonderbotschafter Johnston den Israelis zugedacht, 67 Prozent sollten den Arabern zufließen. Jener Verteilungsplan scheiterte an politischen Bedenken der Araber. Nunmehr beansprucht Israel nur noch jährlich 320 Millionen Kubikmeter Wasser.

Bewässerungsfachleute schätzen, daß diese Menge auch dann noch vorhanden sein wird, wenn die Araber die Quellflüsse Hasbani, Wassani und Baniyas abstauen. (Der wichtigste Quellfluß, der Dan, entspringt in Israel.) Allerdings würde der Jordan, nach Ausbleiben des Quellwassers aus Syrien und dem Libanon, versalzen. Davon hätten aber weniger die Israelis, sondern vielmehr die jordanischen Bauern an Unterlauf den Schaden.

Die Araber brüsten sich, sie könnten drei Viertel der von Isiael beanspruchten Wassermenge ableiten. Die Umleitung der Quellflüsse (siehe Karte), zum Teil durch gebirgiges Gelände, ist jedoch ein technisch langwieriges Unternehmen. Jahre werden vergehen, ehe das Projekt verwirklicht ist. Weiter gediehen sind die Pläne für einen Staudamm am Nebenfluß Jarmuk; eine jugoslawische Firma wurde mit den Entwürfen beauftragt. Schon seit 1961 leiten die Jordanier fast die gesamten Sommerfluten des Jarmuk in ihren Ost-Ghor-Bewässerungskanal.

Israel betrachtet die arabischen Pläne als eine „Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln“. Die arabischen Führer, die den Staat Israel und seine Grenzen nicht anerkennen, bezeichnen ihrerseits das israelische See-Genezareth-Negev-Projekt als „Aggression“. Sie sind nicht daran interessiert, daß die Israelis in Palästina noch festere Wurzeln schlagen.

Das Jordanwasser soll die Wüste Negev in einen blühenden Garten verwandeln. Für Israel ist das Projekt lebensnotwendig, da die Bevölkerung von jetzt zwei Millionen Menschen auf drei Millionen im Jahre 1970 und vier Millionen im Jahre 1980 anwachsen wird. Aber mehr Menschen brauchet auch mehr Wasser. Darum wollen die Israelis auch Meerwasser entsalzen, vielleicht mit Hilfe eines großen Atomreaktors.