Von Kurt Wendt

Das gerade langsam aufkeimende Vertrauen breiter Bevölkerungsschichten zum Aktiensparen hat durch die Vorgänge um die früher einmal gut renommierte Baugesellschaft Boswau & Knauer AG, Düsseldorf, einen Stoß erhalten. Einen unnötigen – sollte man meinen. Denn wenn jene. Leute, die sonst keine Gelegenheit vorübergehen lassen, ihre Bereitschaft zur Förderung des Aktiensparens zu bekunden, ihre Pflicht getan oder etwas Fingerspitzengefühl hätten walten lassen, wäre der "Fall" Boswau & Knauer vermeidbar gewesen.

Damit sind nicht die Verluste gemeint, die bei der Gesellschaft durch eine überdimensionierte Expansionspolitik und durch ungünstige Witterungsverhältnisse eingetreten sind. Verluste solcher Art gehören nun einmal zum Bestandteil einer freien Wirtschaft, und ein Aktionär muß wissen, daß er als "Miteigentümer" eines Unternehmens nicht nur Gewinne kassieren kann, sondern auch das wirtschaftliche Risiko zu tragen hat.

Wenn jetzt das Aktienkapital von Boswau & Knauer vermutlich im Verhältnis 2:1 auf 4,25 Millionen Mark zusammengelegt werden soll, um die Konsequenz aus den eingetretenen Verlusten zu ziehen, dann ist das für die betroffenen Aktionäre schmerzlich. Aber ein solcher Schritt, über dessen Einzelheiten noch geschwiegen wird, liegt im normalen Risikobereich eines Aktionärs. Was bei Boswau & Knauer so bedenklich ist, sind die Begleiterscheinungen.

Vor einigen Jahren hatte sich bei Boswau & Knauer die Gruppe Hansemann/Münch den maßgeblichen Einfluß gesichert. Der heute 35jährige Peter Münch, ein Nachfahre von David Hansemann (ehemaliger preußischer Finanzminister und Gründer einer Vorläuferin der Deutschen Bank), hatte nach dem Kriege mit dem Geld seiner Familie etliche Gesellschaften erworben, die zwar nicht gut florierten, aber dafür um so billiger erhältlich waren. Sein Ziel war es offensichtlich, diesen Unternehmen neues Leben einzuhauchen. Bei den verschiedenen Transaktionen war er nicht zimperlich. Niemand war da, um ihn zu bremsen. Vielleicht spielte die Ehrfurcht vor dem großen Namen Hansemann eine Rolle.

Nicht überall war man jedoch frei von Bedenken. Besonders die Kapitalpolitik von Boswau & Knauer erregte Aufsehen. Immerhin wurde hier das Kapital innerhalb von knapp vier Jahren von 0,7 auf 8,5 Millionen Mark erhöht. Das Geschäftsvolumen hat sich in der gleichen Zeit auf rund 125 Millionen Mark verfünffacht. Bei einer so gewaltsamen Geschäftsausdehnung blieben Verluste nicht aus. Im Jahre 1964 (für 1962 wurden noch acht Prozent Dividende gezahlt) nahmen sie einen Umfang an, der eine Sanierung von Boswau & Knauer unumgänglich machte. Der bisherige Großaktionär, durch seine übrigen Gesellschaften bereits in Schwierigkeiten, sah sich außerstande, einen Sanierungsbeitrag zu leisten. Nach langem Suchen ist es dann den Konsortialbanken gelungen, einen neuen Großaktionär in der gewerkschaftseigenen Deutsche Bauhütten GmbH, Frankfurt, zu finden, der neues Kapital einschießt und auf diese Weise den maßgeblichen Einfluß erhält.

Das Unerfreuliche an der Boswau-&-Knauer-Affäre ist die Tatsache, daß die Aktionäre, die nicht zur Hansemann/Münch-Gruppe oder zum Bankenkonsortium gehörten, von der dramatischen Entwicklung "ihrer" Gesellschaft so gut wie nichts erfuhren. Und was offizielle Verlautbarung wurde, diente nur der Beruhigung und nicht der aufrichtigen Orientierung. Hier hat eine ganze Garnitur von Institutionen versagt.