Der erste Monat im Jahre scheint für afrikanische Staatsmänner in ehemals deutschen Kolonialgebieten besonders gefährlich zu sein: Am 13. Januar 1963 wurde der Präsident von Togo, Sylvanus Olympia‚ ermordet; am 20. Januar 1964 mußte sich der Präsident von Tanganjika, Julius Nyerere, vor meuternden Askaris verstehen; am 15. Januar 1965 wurde der Premierminister von Burundi, Pierre Ngendandumwe, hinterrücks erschossen. Aber diese Parallelität der Zwischenfälle ist rein zufällig.

Ngendandumwe war schon der zweite Regierungschef, der in dem kleinen Land am Tanganjikasee einem Attentat zum Opfer fiel. jedesmal waren Stammesrivalitäten mit im Spiel. Burundi und das nördlich angrenzende Ruanda werden vom Bauern- und Hirtenvolk der Hutus bewohnt. Fünfhundert Jahre lang, bis in die Mitte dieses Jahrhunderte, wurden sie von der Minderheit der hochgewachsenen Watussis beherrscht.

Nach dem ersten Weltkrieg wurden die beiden Länder von Deutsch-Ostafrika abgetrennt und als Treuhandgebiete an Belgien übergeben. Die Belgier entließen 1962 beide Länder in die Unabhängigkeit. Kurz zuvor hatten die Hutus in Ruanda die Watussi-Herrschaftabgeschüttelt und die Republik ausgerufen. Burundi blieb ein Königreich; die Watussis dominierten weiterhin in Regierung und Gerichtswesen.

Trotz des Ein-Parteien-Systems hat die Opposition der Hutus und rivalisierender Adelsgruppen nicht aufgehört. In den letzten zweieinhalb Jahren mußte der Mwami (König) fünfmal sein Kabinett auswechseln. Im April 1964 geriet das Land unter Premierminister Albin Nyamoya in östlidies Fahrwasser. Peking etablierte in der Hauptstadt Usumbura eine zwanzig Mann starke Gesandtschaft (die Sowjetunion hat nur vier Vertreter). Alsbald wurden dort kongolesische Rebellen mit Geld, Waffen und Main Bürgerkriegslehren versorgt. Vor wenigen Wochen kehrte der prowestliche, gemäßigte Ngendandumwe, der einzige Hutu in der Regierung, zurück. Er hatte sein Land im letzten Frühjahr durch eine Krise hindurchgesteuerr, als bewaffnete Gruppen der 60 000 Watussi-Flüchtlinge von Burundi aus einen Umsturz in Ruanda versuchten.

Der Konflikt mit Ruanda und der Bürgerkrieg im Kongo haben dem Handel Burundis so geschadet, daß der Lebensstandard der drei Millionen Einwohner des dichtbesiedelten Landes (76 Einwohner je Quadratkilometer) zu sinken droht.