R. B., Berlin, im Januar

Die Bonner Erwägungen, entlang der Zonengrenze einen Atomminengürtel anzulegen, gingen nicht auf den glücklichsten Einfall der Bundeswehrführung zurück. Den Ostberliner Propagandisten wurde damit eine willkommene Karte in die Hände gegeben. Allerdings: sie wissen diese Karte nur auf absurde Weise auszuspielen.

Das zeigte sich letzte Woche bei einer internationalen Pressekonferenz des DDR-Verteidigungsministers Hoffmann und seiner höchsten Militärs. Die Volksarmee-Generale begaben sich dabei auf ein Parkett, das drüben sonst dialektisch geschulten Zivilisten vorbehalten ist. Prompt rutschten sie auch aus. Beim Frage- und Antwortspiel über den defensiven oder offensiven Charakter der Atomminen wirkten die Generale hilflos.

Generalleutnant Kessler verblüffte mit der Behauptung, man könne die Atomminen auch mit Flugzeugen transportieren, sie im gegnerischen Grenzgebiet absetzen und dann von fern zünden. Da sich freilich für Kernwaffenangriffe im gegnerischen Gebiet Atombomben viel besser eignen, ergab sich aus diesem Argument, daß die eingebauten Minen tatsächlich nur Verteidigungszwecken dienen. Vollends durcheinander geriet Kessler, als er sagte, ein Atomminengürtel sei ebenso offensiv wie Hitlers Westwall, der seinerzeit dazu gedient habe, den Angriff gegen den Osten abzuschirmen. Das war eine verblüffende Analogie. Wollte Generalleutnant Kessler den Minengürtel an der Zonengrenze etwa als Angriffsvorbereitung der Bundesrepublik gegen Frankreich hinstellen?