Das Thema und die Person Strauß wollen die meisten Landesverbände der CDU nach Möglichkeit aus dem Wahlkampf heraushalten. Zu diesem Entschluß sind sie nach sorgfältigen Tests der öffentlichen Meinung gelangt. Die Ergebnisse der demoskopischen Umfragen sind sich diesseits der bayerischen Grenzen überall gleich: Franz Josef Strauß ist mit Abstand der unbeliebteste Unions-Politiker.

Freilich hat die CDU ihre Rechnung ohne den Vorsitzenden der Schwesternpartei gemacht. Strauß will außerhalb Bayerns auch als ungebetener Gast Wahlreden für die Union halten. So hatte der Wahlkampfausschuß der Hamburger CDU mit allen Mitteln versucht, den gefährlichen Parteifreund aus der Hansestadt fernzuhalten. Wahlkampfleiter Dietrich Rollmann, ein 32jähriger Bundestagsabgeordneter, erklärte unmißverständlich: „Ich will Strauß auf keiner Veranstaltung der CDU in Hamburg sehen. Bis Lüneburg kann er von mir aus kommen. Weiter nicht.“ Ende vergangener Woche jedoch erreichte die Hiobsbotschaft das Hamburger CDU-Büro: Strauß ante portas.

Über die „Demokratisch-Konservative Korrespondenz“ ließ der ehemalige Verteidigungsminister verlauten, daß aus Hamburg bereits sechs Einladungen an ihn vorlägen. Der Hamburger CDU und ihrem Wahlkampfleiter Rollmann widmete der CSU-nahe Pressedienst einige recht unfreundliche Worte. Von dem Hamburger Landesvorsitzenden forderte er eine Entscheidung für oder gegen Strauß: „Man will in CSU-Kreisen jetzt wissen, wieweit sich der Hamburger CDU-Landesvorsitzende Erik Blumenfeld mit den Äußerungen Rollmanns identifiziert.“

Die Münchner Postille kam in Hamburg an, als sich die Christlichen Demokraten gerade mit der Auswertung einer detaillierten Meinungsumfrage des Allenbacher Instituts über die politischen Ansichten der Hanseaten beschäftigten. Diese Untersuchung bestätigt, wie es heißt, daß eine deutliche Distanzierung von Strauß für die ohnehin schwache Hamburger CDU zur Existenzfrage werden kann. Dietrich Rollmann will deshalb weiterkämpfen. Er steht zu seiner Forderung: „Bis Lüneburg – und nicht weiter.“

Erik Blumenfeld allerdings will den „Fall Strauß“ zunächst einmal dem Landesvorstand vorlegen, ehe er eine endgültige Entscheidung trifft. Den Auftritt seines bayerischen Bundestagskollegen in einem städtischen Saal der Hansestadt wird er ohnehin nicht verhindern können. Der SPD/FDP-Senat wird gewiß nichts dagegen haben, wenn für den CSU-Vorsitzenden der größte Saal reserviert wird. Franz Josef Strauß könnte der wirksamste Wahlhelfer der Hamburger Regierungsparteien werden.

K.H.