In Frankreich sind die Telephon- und Postgebühren bis zu 20 Prozent erhöht worden. Das erscheint widersinnig, wenn man bedenkt, daß sich die französische Regierung seit mehr als einem Jahr um die Stabilisierung der industriellen Preise und Löhne bemüht. Sollte die rechte Hand hier nicht wissen, was die linke tut?

Die Franzosen sind mit Recht ungehalten über das schlechte preispolitische Vorbild, das die französische Regierung abgibt. Die Sache wird auch keineswegs dadurch besser, daß sich die Regierung auf eine Empfehlung der EWG-Kommission und Vizepräsidenten Robert Marjolin berufen kann, der vor sechs Monaten für eine Harmonisierung der Posttarife innerhalb der EWG plädierte. Harmonisierung ist aber nicht gleichbedeutend mit Preiserhöhung, auch wenn die französischen Postgebühren zur Zeit im Schnitt unter dem EWG-Niveau liegen.

Die Empfehlung aus Brüssel kommt der französischen Regierung offenbar nur allzu gelegen, etwas zu tun, was sie auch ohne diese EWG-Empfehlung getan hätte. Als Sündenbock scheint die EWG der französischen Regierung gerade gut genug. glp