Bis zum Neujahrstag 1965 wollte der indonesische Präsident Sukarno seinen Nachbarstaat Malaysia zerschmettern. Als dieses Malaysia am selben Tage in den Weltsicherheitsrat einzog, marschierte Sukarno aus der UN aus. Auf Borneo ließ er ein paar Divisionen nahe der Grenze zusammenziehen, nach Malaysia schickte er Welle um Welle von Kommandotrupps. England inszenierte daraufhin im Fernen Osten den größten Truppenaufmarsch seit dem Krieg in Korea, um das verbündete Malaysia vor unberechenbaren Launen des lebenslänglichen Herrscher Indonesiens zu schützen.

Anfang dieser Woche sah es so aus, als brauchte der britische Löwe nur seine Pranke zu zeigen, um Sukarno zur Ruhe zu bringen. Nachdem Malaysia seine Friedfertigkeit bekundet hatte, versicherte Sukarno ebenfalls, er wolle keinen Krieg beginnen. Auch Indonesiens Nichtmitgliedschaft in der UN werde nicht ewig währen. In allen UN-Organisationen, von denen sein Land einen Nutzen hat – Weltgesundheitsorganisation, Arbeitsorganisation, Fernmeldeunion –, arbeitet es ohnehin weiter mit.

Sukarno erklärte sich auch zu bedingungslosen Verhandlungen mit England und Malaysia bereit. Er will sich jeder Entscheidung eine afro-asiatischen, ja sogar einer UN-Kommission beugen, wenn diese feststellen sollte, daß die Bewohner von Sabah und Sarawak auf Nordborneo lieber zu Malaysia als zu Indonesien gehören wollen.

Was steckt hinter diesem Sinneswandel? Sukarno durfte seine Feindschaft gegen die UN nicht überspitzen, nachdem sein Schritt in der afro-asiatischen Welt überall mißbilligt worden war, außer in Peking. Als erster hatte ihn der japanische Ministerpräsident Sato gewarnt, diese Woche folgten dessen Beispiel auch die drei Anführer der Blockfreien-Konferenz: Tito, Nasser und Frau Bandaranaike, die ceylonesische Ministerpräsidentin.

Für eine neue Vermittlung im Konflikt mit Malaysia würde sich Sukarno am liebsten der Japaner oder eines anderen großen Landes der blockfreien Welt bedienen. Aber bisher waren die Regierungen in London und Singapur von den Friedensschalmeien aus Djakarta wenig entzückt. Diese Töne paßten nämlich nur schlecht mit der Ankündigung Außenministers Subandrios zusammen, daß Indonesien weiterhin „Freiwillige“ nach Malaysia entsenden würde. Es wird befürchtet, Sukarno wolle den Guerillakrieg mit endlosen Verhandlungen kombinieren, um auf diese Weise einem großen Krieg zu entgehen und schließlich doch sein Ziel zu erreichen. Journalisten fragte er vor einigen Tagen: „Bin ich nicht friedlich?“