Von Peter Adam

Waschen Sie im Automaten ... oder in der Bottichwaschmaschine ... oder im Waschkessel ... oder mit der Hand?“ Das ist einerlei.

Die Firma Henkel & Cie GmbH, Düsseldorf, deren ganzes Sinnen und Trachten seit Generationen darauf gerichtet ist, der Hausfrau den grauen Waschtag zu verschönen, hat nämlich das Pulver – endlich – erfunden: Das Pulver, das einen „völlig neuen Schaum“ abgibt, einen Schaum der nicht gleichbleibt, der sich jedem Waschverfahren anpaßt...“

Die Hausfrauen, die von ihrem Glück noch nichts wissen, werden es spätestens in dieser Woche erfahren. Die frohe Botschaft der Firma Henkel wird millionenfach verkündet werden, in Zeitungsbeilagen und in Anzeigen, im Rundfunk und im Fernsehen, auf Litfaßsäulen und auf Anschlagflächen, nicht zu vergessen, im freundlichen Werbegespräch an der Haustür. Sie werden es wieder und wieder zu hören bekommen, unsere Hausfrauen, nämlich daß es keine Rolle spielt, ob sie das neue Pulver in den Waschautomaten schütten oder in die Bottichwaschmaschine oder in den Kessel oder ins Waschbecken: „Das Ergebnis ist immer Wäsche, wie sie weißer, frischer nicht sein kann – Wäsche, die Ihnen zeigt, daß es keine bessere Wäschepflege gibt als die neue Persil-Pflege...“ Das ist der Tenor der Kampagne für das neue Persil 65.

Der alte Kommerzienrat Fritz Henkel, der die Hausfrauen im Jahre 1907 erstmals mit einem „selbsttätigen“ Waschmittel – eben Persil – beglückte und von der Fronarbeit der großen Wäsche zu befreien suchte, würde sich wahrscheinlich am allermeisten über die Hymnen auf das neue Persil wundern. Die Werbestrategen des Hauses Henkel und ihre Hilfstruppen von der Werbeagentur „troost“ werden indessen keine Kosten und Mühen scheuen, die Hausfrauen davon zu überzeugen, daß Persil nicht Persil geblieben ist, daß es sich um ein ganz und gar neues Produkt mit dem neuen Vorteil „vollkommener Wäschepflege“ handelt.

Wenn sich die Parteien des Bundestages tatsächlich an das jüngst in Bonn unterzeichnete Abkommen über die Begrenzung der Wahlkampfkosten halten, dann kann es keinen Zweifel darüber geben, daß die Firma Henkel die Palme erringen wird, die Palme für die größte Werbekampagne, die es auf bundesdeutschen Gefilden je gab.

Zwar bleibt der Werbeaufwand, der für die Einführung des neuen Persil getrieben wird, ein streng gehütetes Firmengeheimnis. Aber unter 20 Millionen DM dürfte er – alles in allem – kaum bleiben. Die Firma Henkel hat es darauf abgesehen, die Vorherrschaft auf dem Waschmittelmarkt, die ihr nun schon zum zweiten Male innerhalb von 15 Jahren streitig gemacht worden ist, wieder zu erringen.