Am vorigen Freitag erlitt Winston Churchill – wenige Wochen nach seinem neunzigsten Geburtstag – einen Schlaganfall. Das Leben eines Mannes neigte sich dem Ende zu, der ein halbes Jahrhundert lang. Geschichte gemacht hat.

Immer sind es die großen Träumer, die den Zustand der Welt verändern. Winston Churchill hat in seinem Leben viele Träume geträumt, sehr männliche, sehr römische, sehr britische Träume: von der Macht und dem Ruhm seines Volkes; von Mut und verwegenem Planen; von Imperium et libertas, und nicht zuletzt von seiner eigenen glanzvollen Stellung in der Welt. Den letzten Romantiker hat man ihn genannt. In seinen größten Stunden ging sein Blick zu den Sternen. Aber hätte er nicht in die leuchtende Ferne geschaut, wie hätte er die tausend Mühseligkeiten, Widerwärtigkeiten und Gefahren seiner Laufbahn überwinden können?

Immer sind es die großen Täter, die den Zustand der Welt verändern. „Tatsachen sind wichtiger als Träume“, schrieb der große Träumer Churchill einmal. Wenn er die Augen schloß, sah er die fernen Sterne. Wenn er die Augen öffnete, stürzte er sich in das Getümmel, lebhaft, tatkräftig, ein Führer auch der Widerwilligen, ein Löwe mit grollender Stimme und mächtigen Pranken.

Der Streit um ihn wird niemals verstummen, so wie der Streit um Bismarck und Friedrich und Cäsar nie verstummen wird. War er wirklich ein Staatsmann, der für die Dauer gebaut hat? Oder haben ihn die Leidenschaften des Kämpfers und der glühende Ehrgeiz nicht oft weitergetrieben, als kalte Vernunft ihm hätte raten müssen? Vielleicht hätte ein Schwächerer oft klüger gehandelt.

Gleichviel, sein Name wird nicht vergehen; er ist in das Buch der Geschichte eingegraben. In einem Jahrhundert, in dem Politik grau, berechenbar und mechanisch zu werden beginnt, hat Winston Churchill ihr Glanz und Farbe verliehen. Und – er hat wirklich das Rad der Weltgeschichte bewegt. P. S.