Gott behüte mich vor jenem Patriotismus, der mich vergessen ließe, daß ich vor allem Weltbürger sein soll.

Gotthold Ephraim Lessing

Nun auch in der Schweiz

Das Schweizer Fernsehen will nicht länger die Rolle eines Außenseiters spielen. Mit großem Mißvergnügen hatten die zuständigen Schweizer Stellen in den letzten Jahren feststellen müssen, daß in der Ost- und Mittelschweiz überwiegend die deutschen und in der Westschweiz die französischen Programme über die einheimischen Bildschirme flimmerten. Die Ursachen dafür sah man in mangelnder Qualität der eigenen Produktionen, aber auch in der Tatsache, daß die fremden Programme bereits zu Tageszeiten zu sehen waren, an denen die Schweizer Sender noch kein Programm ausstrahlten. An Dienstagen schalteten die Schweizer Sender bislang sogar für den ganzen Tag ab. Um dem Notstand abhelfen zu können, wird man zunächst den Etat von 25 auf 50 Millionen Franken erhöhen. Dazu wird die Schweiz am 1. Februar das Werbefernsehen einführen. Täglich werden zwölf Minuten lang Werbespots höhere Einnahmen und größere Langeweile bewirken.

Lorbeer für Aragon

Louis Aragon, einst Dadaist und Surrealist, seit 1927 Anhänger des Kommunismus, ein Lyriker, der die Widerstandsmoral während des Zweiten Weltkrieges in einer litterature engagée von ansteckendem Pathos feierte, wurde in diesen Tagen in Moskau Dr. phil. h. c. der Lomonossow-Universität. Auf Aragon hatte erst im Oktober vorigen Jahres sein Landsmann Jean-Paul Sartre hingewiesen. Als Sartre die Ablehnung des Nobelpreises begründete, kritisierte er unter anderem auch die Stockholmer Praxis und wies auf Autoren hin, die seiner Auffassung nach von der Jury zu Unrecht übergangen worden seien. Neben dem Chilenen Pablo Neruda nannte er Louis Aragon. Ob zwischen Sartres Hinweis und der Moskauer Auszeichnung ein Zusammenhang besteht, wurde nicht bekanntgemacht. Ob es sich vielleicht um eine Sympathiekundgebung des Landes des Schiwago-Autors für den auch anti-Nobel-gesinnten Sartre handelt?

Alle unsere Preise

Eine Zusammenstellung aller deutschsprachigen Literaturpreise seit 1945 wird die im Mai dieses Jahres erscheinende 2. Ausgabe der „Dokumentation deutschsprachiger Verlage“ im redaktionellen Teil enthalten. Um eine möglichst vollständige Übersicht zu ermöglichen, bittet der Günter Olzog Verlag (München 22, Thierschstraße 11/15) alle Organisationen, Behörden, Akademien und für Preisvergebungen verantwortlichen Institutionen, sich möglichst umgehend mit dem Verlag in Verbindung zu setzen.