Das ökumenische Konzil in Rom hat eine solche Strahlungskraft entwickelt, daß sich auch die beiden anderen christlichen Weltreligionen – Protestanten und Orthodoxe – auf die gewandelte Situation der Kirche einstellen müssen. Zwei Konferenzen, beide auf afrikanischem Boden, versuchten vorige Woche, auf die Fragen des Konzils eine Antwort zu finden. In Enugu in Südnigeria versammelte sich der Exekutivausschuß des Weltkirchenrats, die Vertretung von zweihundert protestantischen und orthodoxen Kirchen. 3500 Kilometer weiter östlich eröffnete Kaiser Haile Selassie in Addis Abeba eine Konferenz der orthodoxen Ostkirchen, die erste seit fast 2000 Jahren.

Auf dem orthodoxen „Konzil“ wollten die Patriarchen einen ersten Versuch wagen, ihre Kirchen organisatorisch zu vereinigen. Zur Zeit zerfällt die orthodoxe Kirche in vier Hauptzweige – griechisch, syrisch, koptisch und armenisch –, die sich ihrerseits wieder verästeln. Der Weg zur Wiedervereinigung ist auch dort langwierig und dornenreich.

Mit der inneren Einheit haperte es auch beim Weltkirchenrat. Drei Tage lang debattierten die Delegierten über nichts anderes als die Wahl eines Nachfolgers für Generalsekretär William Visser’t Hooft der seit 1948 ununterbrochen im Amt war und sich nun zur Ruhe setzen möchte. Schließlich mußte die Wahl vertagt werden.

Große Unsicherheit herrschte im Weltkirchenrat über die Aussichten für eine Annäherung der christlichen Kirchen. Die heftigen Zusammenstöße zwischen fortschrittlichen und konservativen Gruppen bei der letzten Konzilssitzung in Rom waren noch zu frisch in Gedächtnis. Immerhin waren die letzten Nachrichten aus Spanien ermutigend. Demnach ist die Mehrheit der spanischen Bischöfe jetzt für ein Gesetz, das den Protestanten in diesem Lande die volle Religionsfreiheit gewährt.