Erik Verg: Halbmond um den Davidstern. Die arabische Welt und Israel; Ullstein Verlag, Berlin; 229 Seiten, 24,– DM.

Von 1933 bis 1950 war es schlecht um unsere Auslandskenntnisse bestellt. Mit den seit 1950 schneller und immer schneller wachsenden Verkehrsverbindungen und Wirtschaftsbeziehungen ergab sich ein starker, auch literarischer Nachholbedarf an Kenntnissen und Vorstellungen. Ihm zu genügen, dehnten eine Anzahl Berichterstatter ihre Tätigkeit auf das Ausland aus und legten ihre leicht gewonnenen Reiseeindrücke in farbigen Schilderungen nieder. Auch die Übersetzungen fremder Korrespondenten fanden auf dem deutschen Büchermarkt freundliche Aufnahme. In ihre Reihe tritt der Balte Erik Verg, der sich selbst als politischer Journalist bezeichnet und in seinem Buch politische Aufgaben stellt.

Soweit ein fleißiger, schreibgewandter Journalist mit guten Aufnahmen sie zu erfüllen in der Lage ist, hat Verg in einer Sammlung von dreißig Artikeln recht Anziehendes geleistet. Leider aber ist er der Versuchung erlegen, viele Länder schnell zu sehen und den Leser angenehm zu unterhalten. Da, wo er auf die Probleme selbst und ihre Geschichte eingeht, erweist es sich, daß ein auch wohlvorbereiteter Ausflug in die vielfältigen Länder des Nahen Ostens, verbunden mit einem kurzen Überfliegen auch ihrer Geschichte nicht ausreicht, uns zutreffende Unterlagen für ein eigenes Urteil zu geben. Es wird auch Vorkriegsreisende natürlich amüsieren, an alte Bakschischtricks (Bakschisch türkisch, nicht persisch) erinnert zu werden, zu lesen, welche Mühe es vor allem einem Journalisten bereitet, ein Visum zu erhalten und wie unerforschlich die Wege der orientalischen Bürokratie und Diplomatie sind.

Das, was der politische Journalist sich wohl vorgesetzt hatte, das wahre Verhältnis zwischen Halbmond und Davidstern zu klären und uns über die allerletzten Entwicklungen in einigen bisher unzugänglichen arabischen Landesteilen zu unterrichten, hat der Verfasser trotz aller Bemühungen, unparteiisch zu sein und jedem seine Schuld zuzumessen, nicht erreicht. So gibt er der israelischen amtlichen Version über die Vertreibung der Araber den Vorzug, sieht für die Ablehnung des Johnstonplans von arabischer Seite lediglich politische Gründe und weiß wenig von den großen geistigen Bemühungen in der arabischen Welt, die ein bemerkenswertes Gegenstück zu der Tüchtigkeit der Israelis sind. Auch die Angaben, die er von seinem Aufenhalt in Saudien (oder Saudisch Arabien) mitgebracht hat, sind ungenau oder unzutreffend. Bezeichnend ist in dieser Richtung die Schilderung, die er von der Geschichte der Wahabiten gibt, wo er unwillkürlich die Zeit des Reformators Abdul Wahabs Ende des 18. Jahrhunderts (S. 123) mit der König Abdul Aziz Ibn Sauds zusammenwirft.

Es bleibt aber außer den neuen Nachrichten von der Piratenküste ein anregendes Buch, von einem vorzüglichen Journalisten voller bester Absichten geschrieben und mit glänzenden Bildern ausgestattet. Als Anhang enthält es eine kurze, sehr nützliche Länderübersicht.

Hentig