Das Taxi hält vor dem Hotel. Der Fahrer nennt den Preis, öffnet die Hand, der Tourist legt eine Dollarnote hinein, ein paar Cents als Trinkgeld dazu, und schon im nächsten Augenblick wird ihm klar, daß diese fordernde Hand die letzte Geste des letzten dienstbaren Geistes in Menschengestalt für ihn war.

Denn nun steht er verlassen in der Halle des ersten „Automatic-Hotels“ der Welt in Miami in Florida. Hier grüßt ihn kein Portier, kein Boy greift nach seinem Koffer, die Reception ist leer. Er braucht den Paß nicht zu zücken, niemand fragt nach woher und wohin und – auch daran denkt jetzt schnell mal unser Gast – „hätte ich nun eine Frau bei mir, die gar nicht meine Frau...“ Auch danach würde hier niemand fragen, denn Automaten sind diskret, sie fragen nur nach harter Münze.

Der erste hängt gleich hinter der Eingangstür in der Halle dieses sonderbaren Hotels. Er besteht aus lauter kleinen verschlossenen Fächern. Der Ankömmling muß nun in die Tasche greifen, ein paar Geldstücke herausholen, in den Automaten stecken – das ist die Übernachtungsgebühr –, schon fällt eine Fächerklappe und der Gast kann ihr den Zimmerschlüssel entnehmen. Mit dem Schlüssel händigt der Automat auch gleich die „Hotelordnung“ aus. Hier verkünden die Buchstaben ungerührt, daß der Gast sein Bett selbst zu beziehen und vor der Abreise abzuziehen habe. Saubere Bettwäsche und Handtücher liefert ein anderer Automaten-Schrank. Bei der Abreise wirft man die Wäsche in eine Truhe, die einmal in der Woche von einer Wäscherei, geleert wird. Der Gast soll auch sein Zimmer sauberhalten und es vor der Abreise mit dem Staubsauger durchmessen, immer fein nach der „Hotelordnung“. Doch in diesem „Härtefall“ kann er gegen ein Trinkgeld ausnahmsweise einen dienstbaren Geist herbeilocken: die Frau des Verwalters. Nur dieses Verwalterehepaar wohnt außer den Gästen noch im Hotel; hat jedoch die strikte Anweisung, sich keineswegs um die Gäste zu kümmern; nur auf ganz besonderen – und dann dollarschweren – Wunsch.

Und wenn der Gast Hunger hat? Dann gibt er sich in die „Beköstigungshalle“. Dort bieten ihm 30 Getränke – und 40 Speiseautomaten 122 warme Gerichte an. Die Automaten können übrigens 50 Hotelgäste vierzehn Tage lang ohne Nachfüllung beköstigen. Ebenso lange wie der Whisky-Tank.

Einmal in jeder Woche allerdings passiert etwas ganz Unerhörtes: Da kommen sechs Frauen ins Hotel, um die Automatic-Herberge auf Hochglanz zu polieren. Und alle acht Tage schleicht sich ebenso heimlich noch jemand in das Hotel. Der Besitzer. Er macht einen Bogen um seine Gäste, verbeugt sich nur vor seinen Automaten, schließt sie auf, hält ein Säckchen darunter und lauscht dem lieblichen Geklingel der Dollars.

So geht es zu im ersten Automatic-Hotel der Welt in Miami in Florida. Es bleibt nicht das einzige. Bald soll eine Kette solcher Hotels die sonnige Halbinsel im Süden der Vereinigten Staaten überziehen. pw