Schach dem weißen Tod mit Sonden und Magneten

Etwa zwanzig Menschen sind in diesem Winter schon wieder Opfer der gefürchteten Schneelawinen in den Alpen geworden. Der Lawinentod ist schrecklich. Nicht nur für die Verschütteten. Auch für die Rettungsmänner. Denn die Überlebenszeit in einer Lawine ist kurz. Kaum länger als zwei Stunden. Deshalb konnten bisher nur 19 Prozent aller Verschütteten lebend geborgen werden. Die Rettungsabteilungen sahen sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder vor die erschütternde Tatsache gestellt, daß sie zu spät gekommen waren. Zu spät für die zweistündige Lebensspanne.

Lawinensonden und Suchhunde waren bisher die einzigen Hilfsmittel – und das in einer Zeit, in der das Weltall erobert wird. Vor einigen Tagen nun wurde auf dem Zugspitzplatt eine neue Waffe gegen den Lawinentod vorgeführt: die „Förstersonde“ und der Signalmagnet. Die Förstersonde wiegt 6,3 Kilo. Auf dem Zugspitzplatt wurde ein Signalmagnet zweieinhalb Meter tief in den Schnee vergraben, in einem abgesteckten Feld von 150 Quadratmetern. Der Suchende hatte keine Ahnung, wo sich das kleine Ding befand (fünf Zentimeter lang, zweieinhalb Zentimeter breit). Nach knapp zwei Minuten hatte er es auf den Zentimeter genau ausgemacht: Das Gerät gab starke Pfeiftöne von sich, der Kontrollzeiger stand an. Um ein solches Lawinenfeld mit Sonden genau abzusuchen, vergeht fast eine Stunde. Und nur dann ist es möglich, wenn genügend Sonden und Suchende zur Verfügung stehen. Ebenfalls auf dem Zugspitzplatt wurde am gleichen Tag auch der Schweizer Lawinensuchhund „Basco“ mit dem Hundeführer Josef Egli aus Wattwil eingesetzt, um einen Vergleich zu haben. In zweieinhalb Meter Tiefe war ein Mann eingegraben. Das Feld hatte die gleiche Größe wie bei der Magnetsuche. Basco betrat bellend das abgesteckte Feld, umgeben von fünfzig Menschen. Aber auch im Ernstfall befinden sich viele Menschen auf dem Lawinenkegel. Basco war nervös und begann sich nach sechs Minuten für seine Aufgabe zu interessieren. Nach sechs Minuten! Nichts gegen die braven Lawinensuchhunde, die schon großartige Leistungen vollbrachten. Dennoch: Es sind Tiere, deren Verfassung nicht jeden Tag gleich ist. Außerdem kann der Hund nur mit seinem Herrn eingesetzt werden. Mit einem Fremden „spurt“ er nicht. Dann bildet auch noch die jeweilige Schneedichte ein Problem für den Hund. Der Körpergeruch eines Verschütteten dringt, wenn es sich um eine Hartschneelawine handelt, nur langsam an die Oberfläche. Oft vergeht eine Stunde. Das ist die halbe Zeit, die ein Verschütteter meist nur durchhalten kann. In

Bayern gibt es fünfzig Lawinenhunde, in Tirol fünfzehn.

Über den praktischen Wert der Förstersonde wird selbst in den oft konservativen Kreisen der Rettungsorganisationen nicht mehr diskutiert. Das Gerät ist gut, heißt es da. Aber die „Internationale Kommission für Alpines Rettungswesen“ (IKAR) glänzte auf dem Zugspitzplatt in Abwesenheit und hatte bislang noch keine Schritte unternommen, sich für die Verbreitung der Förstersonde zu bemühen.

Die Förstersonde – ähnlich wie ein Minensuchgerät arbeitend – kann erfolgreich nur eingesetzt werden, wenn der Verschüttete den erwähnten Signalmagneten besitzt.

Wenn nicht alle Skifahrer so einen Magneten haben, sagen die einen, sei die Anschaffung einer Förstersonde zwecklos. Und solange nicht mindestens zwanzig Förstersonden allein in Bayern stationiert sind, sei es verantwortungslos, dem Skivolk solche Magneten anzubieten, sagen die anderen. Ein Suchgerät kostet 3500 Mark. Die Innsbrucker Firma Stöx, der in den Alpenländern das Signalmagnet-Patent gehört, stellt sich eine Art „Skifahrer-Selbstfinanzierung“ vor. Wenn 7000 Skiläufer sich für den Kauf des Magneten entschließen, ist ein Gerät finanziert.