München

Anton Jaumann, Generalsekretär der CSU, löste sich schnell aus dem Gedränge und verließ den Empfang der Bayerischen Staatsregierung für die Presse. Jaumanns stets so listige Augen schienen trübe; sein gewohnt verschmitztes Lächeln war verflogen. Sichtlich müde trabte Straußens Generalsekretär die Treppe hoch und verschwand.

Selbst an dem robusten Jaumann war die Aufregung über die geplante Umorganisation der CSU-Landesleitung in der Lazarettstraße nicht vorbeigegangen. Zumal er am besten weiß, daß es sich dabei keineswegs nur um eine Frage der Organisation handelt. Was Franz Josef Strauß vorhat, das ist die Mobilmachung seiner „Truppe“ für den Wahlkampf. Strauß weiß, wie er diesen Wahlkampf führen will, und er ist überzeugt, daß er dafür einen Apparat braucht, der eben anders gebaut sein und anders reagieren muß als die „friedensmäßige“ Landesleitung.

Natürlich hatte man in Bonn und vor allem in München schon einige Zeit davon gemunkelt, daß sich in der Lazarettstraße bald etwas tun werde. Trotzdem war es eine deftige Überraschung, als Strauß seinen persönlichen Referenten Walter Oberhorner auf den Stuhl eines zweiten stellvertretenden Generalsekretärs setzen wollte. Wer nur ein wenig Struktur und Praxis der CSU-Landesleitung kannte, dem war klar, daß Oberhorner in dieser Stellung sofort die entscheidende Rolle gespielt hätte. Und das war wahrscheinlich auch beabsichtigt.

Daß es nicht so ablief, war weniger das Verdienst der sogenannten konservativen Kreise in der bayerischen Union, als vielmehr der Journalisten, die Alarm schlugen. Erst jetzt merkten auch die „Konservativen“, was gespielt werden sollte, und versuchten zu retten, was zu retten war. Strauß blieb besonnen, ließ es nicht auf eine kräfte- und prestigeverschleißende Machtprobe ankommen und ordnete eine taktische Umgruppierung an. Er arrangierte sich mit Stellvertretern und Vorstand.

Das ist jetzt geplant: Jaumann und Klughammer bleiben auf ihren Posten. Die bisher bestehenden Abteilungen der Landesleitung sollen unter drei Hauptabteilungen zusammengefaßt werden. Und eine dieser Hauptabteilungen soll Oberhorner erhalten: die für Öffentlichkeitsarbeit und Finanz. Damit säße Straußesn „junger Mann“ trotzdem an der entscheidenden Stelle der Landesleitung.

Walter Oberhorner, 29 Jahre alt, ist ein Typ, der im Gefolge von Strauß oft anzutreffen ist. Gleich welcher Organisation, welchem Amt Strauß auch vorsteht: Immer hat er das Gefühl, die seiner Führung Anvertrauten seien weit hinter seinen Erkenntnissen zurück; seine „Unterführer“ seien zu unbeweglich und ungeschult, begriffen nicht seine Ideen und Ziele. Um diesem Zustand abzuhelfen, schaltet nun Strauß junge Leute ein. Strauß sucht sich Männer aus, die so belastungsfähig sind, daß sie der Arbeitsweise des Chefs folgen können; außerdem müssen sie aus wenigen Sätzen, skizzierten Gedankengängen, bruchstückweise formulierten Argumenten Reden und Artikel basteln können, idiotensichere Anweisungen für die Funktionäre sowie provozierende Äußerungen zur Steuerung der öffentlichen Diskussion.