Von Walter König

Alle Sportverbände, denen daran gelegen ist, ihren Wettkampfbetrieb wenigstens einigermaßen ehrlich zu erhalten, unterscheiden Amateure und Berufsathleten. Der Berufssport, also das Geschäft, dient dabei als eine Art Ventil, um die schlimmsten Fälle von Scheinamateurismus zu verhindern. Der Internationale Ski-Verband aber schlägt einen anderen Weg ein. Er unterdrückt diese unvermeidliche Entwicklung zugunsten verkappter Amateure. „Amateure“, die durch ihre Vereinbarungen mit der Ski-Industrie mehr verdienen, als es ein Berufsfahrer auf ehrliche Weise vermag. Denn das monatelange Training im Gebirge dieser sogenannten Amateure wird von den nationalen Verbänden mit erheblicher Hilfe aus den Kassen ihrer Staaten oder auch derjenigen der Ski-Fabriken bezahlt, während der Profi seine Unkosten fürs Training zuerst einmal selbst verdienen muß. Alle diese merkwürdigen Praktiken sind in den Alpenländern schon den Jugendlichen bekannt, da die Industrie bereits unter dem Nachwuchs Talente sucht, die später mit Erfolg in die Verkaufsreklame eingeschaltet werden. Kein Verbandsfunktionär darf behaupten, daß er von all dem nichts wüßte!

Der Streitmacht offiziell geduldeter Scheinamateure steht also ein Häuflein ehrlicher Leute gegenüber, zumeist frühere Olympiasieger und Weltmeister, die es satt haben, als sportliche Betrüger auf Skiern zu stehen. Sie deklarieren sich als Berufsfahrer und halten unter dieser Firmierung am 30. und 31. Januar in Seefeld in Tirol ihre Weltmeisterschaften ab. Vorläufiges Ergebnis: Der österreichische Ski-Verband hat Seefeld für sämtliche Amateur-Ski-Veranstaltungen gesperrt. Dieser drakonische Beschluß geht jedoch über die ohnedies anfechtbare internationale Bestimmung hinaus, die eine Sperre nur dann vorsieht, wenn sich Funktionäre eines Verbands-Klubs an der Veranstaltung von Profirennen beteiligen. Das geschieht aber schon seit drei Jahren in den USA, ohne daß ein Verbands-Boß danach kräht. Die pikante Note dieser Komödie besteht nun darin, daß die Gemeinde Seefeld gegen den österreichischen Ski-Verband wegen Geschäfts- und Rufschädigung gerichtlich vorgehen wird. Dazu der Seefelder Standpunkt: Das Gelände für die Profirennen gehört einer Liftgesellschaft. Die Veranstaltung wird vom Fremden-Verkehrsverband Seefeld und der Gemeinde durchgeführt. Zu ihrer Organisation werden weder Funktionäre des Ski-Klubs Seefeld noch des österreichischen Ski-Verbandes benötigt. Durch die Sperre aber werden auch Langläufer und Springer benachteiligt, da nunmehr ihre für Seefeld vorgesehene internationale Veranstaltung entfallen muß. Die Gemeinde hatte für die Deckung eines eventuellen Defizits immerhin mit 41 000 Mark garantiert.

Der österreichische Ski-Verband will aber mit diesem Schildbürgerstreich die Konkurrenz der Profis unterdrücken. Künstlich aufgeblasenes nationales Verbandsprestige könnte leiden. Auch wirtschaftliche Fragen stehen für den Verband damit im Zusammenhang. Nicht zuletzt hegen einige Funktionäre – nicht nur in Österreich – den Irrglauben, ohne sie gäbe es keinen Skisport. Und die Industrie hält Siege ihrer angeheuerten Pseudoamateure bei Olympischen Spielen, und Weltmeisterschaften vorerst noch für propagandistisch wirksamer als solche bei Profiveranstaltungen. Dieses Blatt aber kann sich wenden. Wir brauchen nur die alpine Fahrerei mit anderen Sportgebieten zu vergleichen, bei denen die Geräte- und Materialfrage ebenfalls mit Rennerfolgen verquickt wird, gleichgültig ob das richtig ist oder nicht.