Die Antwort war ein fröhliches Lachen: „Nun, Konkurrenz hebt doch das Geschäft.“ Wie er sich das denn vorstellte, hatte ich Carl Wiederkehr gefragt, wenn künftig ein Eklöh-Supermarkt dicht neben einem Supermarkt der Konsumgenossenschaft um Kunden werbe. Der im Dienst der Genossenschaftsbewegung ergraute Finanzchef der GEG, der Großeinkaufsgesellschaft der Konsumgenossenschaften, sieht kein besonderes Problem darin, daß dann vielleicht zwei Läden eines Unternehmens gegeneinander konkurrieren werden.

Der Kauf von 53 Supermärkten der Herbert Eklöh GmbH Mitte Dezember war der letzte Husarenstreich, bei dem Wiederkehr maßgeblich mitwirkte und der ebenso wie andere überraschende Aktionen im Lager der Konsumgenossenschaften dazu dienen soll, diese in altehrwürdiger Tradition ein wenig eingerostete Organisation wieder in Schwung zu bringen. Dazu sollen unter anderem dienen: Eine Beteiligung der den Gewerkschaften nahestehenden Bank für Gemeinwirtschaft an der GEG, die Gründung einer Leasing-Gesellschaft (zusammen mit der Bank für Gemein Wirtschaft und Münemann) und die Gründung eines Investmentfonds für den Bau moderner Supermärkte.

Als vor nunmehr 120 Jahren die Redlichen Pioniere“ von Rochdale in England den ersten Konsumladen einrichteten, taten sie dies aus Protest gegen die kapitalistische Wirtschaftsordnung. Und auch die deutschen Konsumgenossenschaften, bei denen sich gerade jetzt die Hundertjahrfeiern häufen, handelten aus ccm gleichen Antrieb.

Der „Konsum“ war in den Jahrzehnten bis zum „Tausendjährigen Reich“ die Selbsthilfeorganisation des kleinen Mannes. Ihre Rückvergütungen am Jahresende, die bei manchen Genossenschaften bis zu 15 Prozent der Einkaufssumme erreichten, waren den Hausfrauen eine willkommene Sparkasse. Es war ein geschlossener Kreis; denn die Mitgliedskarte war Voraussetzung für den Einkauf. Und trotz aller wirtschaftlichen Erfolge umwehte den „Konsum“ ein Armeleutegeruch.

Heute sind die Konsumgenossenschaften die zweitgrößte Handelsorganisation im Bundesgebiet. Sie stehen nicht mehr „neben der Wirtschaft“, wie Dr. Cornelius J. Bock, Vorstandsmitglied des Zentralverbandes deutscher Konsumgenossenschaften es formuliert, sondern sind voll in den Wirtschaftsablauf einbezogen. Nichts zeigt dies deutlicher als die Aktivität der GEG, der Großeinkaufs-Gesellschaft deutscher Konsumgenossenschaften mbH.

In der Zentrale am Besenbinderhof in Hamburg, wo der Zentralverband und die GEG unter einem Dach residieren, hat man seit langem erkannt, daß die Konsumgenossenschaften sich heute nach den Gesetzen der Marktwirtschaft richten müssen, die das Bild des Einzelhandels in den zurückliegenden Jahren grundlegend verändert haben.

Dieser Wandel ist mit zwei Worten zu umschreiben: Konzentration und Rationalisierung. Die Warenhauskonzerne und die großen Filialbetriebe wuchsen, während der „Tante-Anna-Laden“ an Bedeutung verlor; die Zusammenschlüsse der Einzelhändler zu freiwilligen Ketten hatten sensationelle Erfolge; der gemütliche Kolonialwarenladen wuchs zum Supermarkt mit 400 und mehr Quadratmeter Verkaufsfläche; die Selbstbedienung rationalisierte den Verkauf.