Mit 5 Prozent steht die Aktie der Berliner Kraft- und Licht (Bewag)-AG, Berlin, in der Spitzengruppe der Renditentabelle. Ihr relativ niedriger Börsenkurs von 202 Prozent geht nicht etwa auf Gründe zurück, die in dem Unternehmen selbst liegen; er ist vielmehr eine Konsequenz dessen, was die Börse „Berlin-Risiko“ nennt. Die Bewag (oder Börsenausdruck: Bekula) ist an die ehemalige Reichshauptstadt gekettet. Sie ist nicht in der Lage – wie andere Berliner Unternehmen –, sich Stützpunkte in der Bundesrepublik zu schaffen. Deshalb trifft sie das „Berlin-Risiko“ ungemildert. Aber was Vorstand und Großaktionär (die Stadt Berlin) möglich war, die Bekula-Aktie zu einem attraktiven Papier zu machen, haben sie getan. Als „bedeutsames Ereignis in der Geschichte des Unternehmens“ bezeichnet der Bericht des Vorstandes für das Geschäftsjahr 1963/64 den Verzicht der Stadt Berlin auf das ihr seit der Gründung des Unternehmens zustehende Anlagen-Kaufrecht. Für einen von Sozialdemokraten geführten Senat immerhin ein beachtlicher Entschluß! Er schützt die freien Aktionäre vor den unliebsamen Folgen einer bisher möglichen Verstaatlichung. Nach diesem Verzicht hat die Bekula-Aktie an Anziehungskraft gewonnen, auch wenn sich dies in ihrem Kurs noch nicht entsprechend ausdrückt. Von dem Aktienkapital von 300 Millionen sind rund 70 Millionen breit gestreut. Wie im Vorjahr werden 10 Prozent Dividende gezahlt. Damit unternimmt die Gesellschaft zwar keinen Kraftakt, um so weniger als sich die Ertragslage offensichtlich weiter gebessert hat. Aber angesichts des hohen Finanzbedarfs wäre es wohl unbillig, eine höhere Dividende zu erwarten.

K. W.