Die italienischen Kommunisten drängen auf eine Beteiligung an der Regierungsverantwortung, aber die Parteiführer sind sich nicht darüber einig, auf welche Weise sie zur Macht gelangen wollen. Die Präsidentenwahl und die letzte Tagung des Zentralkomitees der KPI haben klar zwei widerstreitende Tendenzen gezeigt, die: bereits zu Togliattis Zeiten bestanden.

Giorgio Amendola, Mitglied des Sekretariats und des Zentralkomitees befürwortet die Beteiligung der KPI an einer Regierung der „linken Mitte“ und fordert gleichzeitig die Bildung einer „neuen Partei aller sozialistischen Kräfte“. Da weder der Kommunismus noch die Sozialdemokratie in den kapitalistischen Ländern in den vergangenen fünfzig Jahren eine sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft erreicht hätten, sei es jetzt notwendig, „einen dritten Weg“ zu suchen.

Die Gegner Ämendolas, die Ideologen Romano Ledda, Pietro Ingrao und der Chefredakteur der „Unità“, Mario Alicata, werfen ihm indessen Mißachtung der marxistisch-leninistischen Prinzipien vor. Sie lehnen einen sofortigen Eintritt in eine Koalitionsregierung ab. Ihre Begründung: Nach dem Bruch mit den Sozialisten wegen deren Eintritt in das „kapitalistische System“ müßten die Kommunisten das Scheitern der Regierungskoalition begünstigen, sie müßten ferner von der gegenwärtigen Krise der Democrazia Cristiana profitieren, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit dem linken Flügel des politischen Katholizismus zu finden.

Amendola aber scheint zur Zeit stärker zu sein als seine Widersacher. Ihm war es bereits gelungen, seine Partei für die Unterstützung des sozialdemokratischen Präsidentschaftskandidaten Saragat zu gewinnen und damit die Annäherung sowohl an die Sozialisten als auch an die Regierungskoalition einzuleiten; er hofft auf die Bildung einer „Einheitspartei der Arbeiter“. Ingrao und Alicata hatten dagegen gefordert, Fanfani mit Hilfe der Kommunisten zum Präsidenten zu wählen, der als Gegner der Regierungskoalition und Außenseiter in seiner Partei gilt.

Der Parteichef Luigi Longo versucht, zwischen beiden Flügeln zu vermitteln; aber in der Tat steht er der These Amendolas näher. Auch er wünscht, daß die Kommunisten durch „kleine Schritte“ zur Beteiligung an einer neuen Regierungskoalition gelangen.

Mittlerweile hat sich aber auch Moskau in die Diskussion eingeschaltet. „Kommunist“, das sowjetische Parteiorgan für ideologische Fragen, hat gegen Amendolas Thesen Position bezogen. Es warnt vor einem „neuen Reformismus“ in der KPI, der gegen die leninistischen Prinzipien des „demokratischen Zentralismus“ verstoße. Die Zeit für eine Einheitspartei sei in Italien noch nicht gekommen. Aniello Verde