Was Chruschtschow im letzten Jahr seiner Macht nicht mehr gelang, vollbrachten seine Nachfolger Breschnew und Kossygin: Alle Länder des Warschauer Pakts (natürlich außer Albanien) unterzeichneten ein gemeinsames Kommunique. Aber es ist fraglich, ob die Kreml-Herren damit zufrieden waren. Vermutlich wäre ihnen, statt wortreicher Deklamationen gegen die sowieso dahinsiechende MLF, eine Rückendeckung im Konflikt mit Peking lieber gewesen.

Aber nur Walter Ulbricht und sein bulgarischer Kollege Todor Schiwkoff unterstützten den Moskauer Plan für eine ideologische Vorkonferenz aller europäischen kommunistischen Parteien, die am 15. März in Moskau beginnen sollte. Alle anderen Parteichefs des Ostblocks erhoben Einspruch. Die Delegation der Rumänen hatte angeblich ihr Erscheinen in Warschau sogar von einem Verzicht auf diese Konferenz abhängig gemacht. Jedenfalls nahm Parteichef Gheorghiu Dej die Einladung erst in letzter Minute an, und er war der erste, der aus Warschau wieder abreiste.

Am längsten blieben die Sowjetführer, die noch für ein paar Tage mit Gastgeber Gomulka an die Masurischen Seen fuhren, allerdings nicht, wie vor ihnen Chruschtschow, zur Wildschweinjagd. Am stärksten vertreten waren bei der Warschauer Konferenz die Deutschen. Es hieß sogar, die Zusammenkunft sei auf Wunsch Ulbrichts zustandegekommen, und ihm zuliebe sei der Warschauer Pakt jetzt wieder mehr ins Licht gerückt worden.

Das Kommuniqué entsprach allerdings nicht ganz Ulbrichts Politik. Von Berlin wurde nämlich kein Wort gesagt. Zur deutschen Frage wurde erklärt: „Nur auf dem Wege der Entspannung sowie wirksamer Verträge über die Abrüstung Deutschlands und Europas können die Bedingungen für die Vereinigung der bestehenden zwei souveränen und gleichberechtigten deutschen Staaten im Geiste des Potsdamer Vertrages geschaffen werden“ – immerhin eine Formulierung, die Gespräche mit dem Westen nicht ausschließt.

Trotz der üblichen Angriffe gegen die Politik der Westmächte in Kuba und Vietnam, im Kongo und in Malaysia war der Ton des Kommuniqués eher milde. Der Vorschlag des polnischen Außenministers Rapacki für eins gesamteuropäische Sicherheitskonferenz wurde wiederholt, ebenso das Angebot eines Nichtangriffspaktes mit der NATO. Das Echo aus Peking war bezeichnend: „Die neue Führung in Moskau tut ihr Bestes, sich zurückhaltender als Chruschtschow zu geben und den falschen Eindruck zu erwecken, als könnte sie es besser machen, während sie tatsächlich den alten Chruschtschow-Kurs befolgt.“