Hjalmar Schacht, vielgeschmähter Reichsbankpräsident a. D. und berüchtigter Erfinder des Mefo-Wechselsystems (zur Rüstungsfinanzierung des „Dritten Reichs“) hat es geschafft: Nachdem sein Kassandraruf zur Rettung unserer Währung von einer Illustrierten kolportiert worden ist und es ihm – fast – gelungen wäre, den Mann von der Straße mit der Währungsuntergangsvision einer „dritten Inflation“ aufzuschrecken, hat er nun auch Eingang in die Spalten der seriösen Tagespresse gefunden. Selbst die Bundesregierung und die Bundesbank haben sich von ihm herausfordern und zu Gegenerklärungen hinreißen lassen.

Wenn es Schacht nur darum ginge, sich wieder einmal in Erinnerung und ins Gespräch zu bringen, so hätte er sein Ziel erreicht und könnte mit sich wahrlich zufrieden sein. Wenn er aber, wie er in seinem Vortrag vor dem Rhein-Ruhr-Club formuliert hat, „aus Gewissensnot und aus Angst, daß es schiefgeht“ geschrieben und gesprochen hat, so muß er sich sagen lassen, daß er der Sache, der er zu dienen glaubt, den denkbar schlechtesten Dienst erwiesen hat. Allein schon dadurch, daß er das Schreckgespenst einer „dritten Inflation“ an die Wand malt und damit Erinnerungen an die Zeit heraufbeschwört, in der ein Bier 20 000 Mark kostete, macht er sich und seine Argumentation unglaubwürdig, von seinen fragwürdigen Rezepten zur Stabilisierung unserer Währung ganz zu schweigen.

Es ist barer Unsinn, zu behaupten, wir trieben einer Entwicklung im Stile der beiden letzten Inflationen entgegen. Wir halten es mit Karl Blessing, dem Präsidenten der Deutschen Bundesbank – und ehemaligen Referenten Hjalmar Schachts: „Man mag die deutsche Währungspolitik kritisieren wie man will, aber man soll intellektuell ehrlich bleiben.“

Der Reichbankpräsident a. D. muß sich den Vorwurf gefallen lassen, daß es ihm an dieser Ehrlichkeit gebricht. Sein Versuch, den Teufel – fortschreitender Geldwertverschlechterung – mit dem Mefo-Stopheles auszutreiben, muß als gescheitert angesehen werden. W. B.