Die deutschen Agrarpolitiker sind auf dem besten Wege, den letzten Schritt in eine Richtung zu tun, die unweigerlich in einer Sackgasse endet, aus der es für viele kleinere Familienbetriebe kein Zurück mehr gibt. Der letzte Schritt – das ist die Verteilung eines großen Teils der vom Bundeskanzler neu zugesagten Subventionen nach dem Gießkannenprinzip.

Geht es nach dem Willen des Bauernverbandes, erhält jeder Besitzer von mehr als einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche per Postanweisung einen Geldbetrag ausgezahlt, dessen Höhe sich nach der Betriebsgröße richtet. Je mehr Hektar Nutzfläche, desto höher die auszuzahlende Summe.

Wer über einen Hektar verfügt, erhält 30 Mark, wer 10 Hektar – ungefähr die Mindestgröße für einen Vollerwerbsbetrieb – besitzt, bekommt 300 Mark, und wer 100 Hektar sein eigen nennt, darf 3000 Mark kassieren.

Man muß zugeben, es ist ein einfacher Verteilungsschlüssel. Er ist sogar so einfach, daß im Unterschied zu früher gewährten Subvent onen jeder auf den ersten Blick erkennen kann, wem diese direkte Beihilfe am meisten nutzt.

Aus dem neuen Grünen Bericht geht eindeutig hervor, daß die deutsche Landwirtschaft so viel verdient, wie noch nie in ihrer Geschichte; die Arbeitseinkommen haben sich mit 18 Prozent im letzten Wirtschaftsjahr fast doppelt so stark erhöht wie in der gewerblichen Wirtschaft. Ebenso eindeutig steht allerdings fest, daß die Einkommensunterschiede innerhalb der Landwirtschaft weit größer sind als der vielbeklagte Rückstand gegenüber der gewerblichen Wirtschaft.

Dieser Rückstand gegenüber der gewerblichen Wirtschaft ist bei den Arbeitseinkommen auf 21 Prozent zurückgegangen, während die Differenz innerhalb der Landwirtschaft zwischen den kleinen süddeutschen Futterbaubetrieben und den größeren Zuckerrübenbauern Norddeutsch.ands mehr als 400 Prozent erreicht. Die meisten größeren Betriebe halten den Vergleich mit der gewerblichen Wirtschaft ohne weiteres aus.

Ein Anspruch auf staatliche Hilfe kann deshalb nur bei den zahlreichen kleineren Familienbetrieben berechtigt sein, obgleich auch hier von Hof zu Hof beträchtliche Einkommensunterschiede bestehen. Sie bekommen aber durch eine Flächensubvention, wie sie vom Bauernverband propagiert wird, am wenigsten. Der Widersinn unserer Agrarpolitik kann nicht deutlicher offenbar werden.