Über den Arbeitsmarkt herrscht ein jovialer Herr. Acht Jahre lang saß Anton Säbel im Bundestag und hatte den Vorsitz des Ausschusses für Arbeit inne. Man zählt ihn zum linken Flügel der CDU. Er beherrscht sein Metier mit souveräner Verwaltungsakribie. Seine Stimme klingt sonor.

Anton Säbel, Präsident der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, hat ein Monopol. Seine Behörde ist weder dem Bundesarbeitsminister noch anderen Instanzen unterstellt. Sie ist allein dem 36köpfigen Verwaltungsrat – je ein Drittel Vertreter der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der öffentlichen Körperschaften – verantwortlich.

Ihre Existenz stützt sich auf das Gesetz für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, auch AVAVG genannt. Es würde 1927, am Vorabend der großen Weltwirtschaftskrise, erlassen, als es darum ging, des Arbeitslosenproblems Herr zu werden. Es gilt, in überarbeiteter Fassung, auch heute noch, wo es darum geht, dem Arbeitskräftemangel abzuhelfen. Ist das Gesetz, ist die Behörde dieser ganz anderen Aufgabenstellung gewachsen?

Der Chef der Bundesanstalt hält es für angebracht, sich allgemein darüber Gedanken zu machen, wie es in diesem Jahr auf dem Arbeitsmarkt aussehen wird. Er verweist auf die 600 000 offenen Stellen, auf den Kapazitätsanstieg der Bauwirtschaft. Er erinnert daran, daß die Beschäftigtenzahl von heute rund 22 Millionen in den letzten zwölf Jahren um 50 Prozent gestiegen ist.

„Auch in diesem Jahr müssen wir versuchen, den Bedarf der Wirtschaft so weit wie möglich zu befriedigen. Woher kommen diese Arbeitskräfte? Bei guter Streuung von Betrieben kann man noch immer etwas davon ausgehen, daß aus dem Kreis der mithelfenden Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, im Kleingewerbe etwas herausgeholt werden kann. Darüber hinaus wird allmählich die Zahl der Schulabgänger steigen!“

Die Frage nach den Gastarbeitern liegt nahe: „Glauben Sie, daß wir immer auf Gastarbeiter angewiesen sein werden?“

Der oberste Chef der Arbeitsverwaltung formuliert den entscheidenden Satz: „Man muß sich davon freihalten, als wäre die Anwerbung von Arbeitskräften im Ausland nur eine vorübergehende Hilfe. Außerdem ist doch die größere Freizügigkeit aller Arbeitnehmer entscheidend.“