Die amerikanischen Investment-Fonds wollen den deutschen „Sparer“markt erobern. Sie sind der Meinung, daß angesichts der hohen deutschen Sparquote das Invesment-Sparen in der Bundesrepublik noch völlig unterentwickelt ist. Darin sehen sie ihre Chance. Zwei Vertriebsgesellschaften für amerikanische Fonds bauen sich bei uns ein eigenes Vertreternetz aus. Sie arbeiten unabhängig von dem hiesigen Banken- und Sparkassensystem, genauso wie sie es in den USA selbst tun. Wir, meine verehrten Leser, werden uns deshalb nicht wundern dürfen, wenn wir demnächst auf höchst unkonventionelle Weise zum Kauf von Aktien amerikanischer Invesment-Fonds aufgefordert werden, das heißt durch persönlich gehaltene Briefe oder durch einen Vertreterbesuch an der Haustür.

Was die Amerikaner auf dem Sparermarkt in den letzten Jahren anzubieten hatten, war nicht immer seriös. Sie erinnern sich vielleicht noch an gewisse völlig unbekannte Aktien, deren Kurse raketengleich nach oben schießen sollten (jedenfalls nach den Versprechungen ihrer Verkäufer), aber sich in den meisten Fällen später jedoch als Reinfall erwiesen. Wir haben auch einige unangenehme Erfahrungen mit Grundstücksangeboten in Florida und anderen Gegenden gemacht, wo sich herausstellte, daß die vielgepriesenen Grundstücke in der Wüste oder anderen unwirtlichen Gegenden lagen. Deshalb will ich diesmal gleich betonen: Die Offerten der amerikanischen Investment-Fonds sind keine Windeier, sondern durchaus ernst zu nehmen.

Ich will Ihnen heute über ein Gespräch berichten, daß ich in diesen Tagen mit dem Executive Vice President der Waddell & Reed International, Ltd., Fred Oppenheimer, hatte, der gegenwärtig die Vertriebsorganisation seiner Gesellschaft in Europa aufbaut. Waddell & Reed Inc., New York, vertreibt und verwaltet die United Funds. Mit ihren Gesamtnetto-Aktiven von 1,8 Milliarden Dollar gehören sie zu den größten amerikanischen Investment-Fonds.

Vorausschicken möchte ich, daß man sich an US-Fonds durch Aktienkauf beteiligt, man wird bei ihnen also stimmberechtigter Aktionär, während der Sparer in deutschen Fonds nur Zertifikatsbesitzer ohne Stimmrecht ist. In der Praxis ist dieser Unterschied von geringer Bedeutung, aber man sollte ihn wissen.

Aktien der United Funds (es handelt sich um vier verschiedene Fonds mit unterschiedlicher Zielsetzung) werden in der Bundesrepublik auf zweierlei Weise angeboten. Einmal durch eine einmalige Einzahlung oder zum anderen durch Beteiligung an einem sogenannten Sparplan. Der Sparer verpflichtet sich innerhalb eines zeitlich festumrissenen Ansparprogramms zu monatlichen Zahlungen (Mindestbeiträge monatlich 25 Dollar, also 100 Mark). Während der Sparzeit werden Kapitalgewinne und Dividenden re-investiert, eine Jahresausschüttung findet nicht statt. Der Sparplan kann mit einer sogenannten Risikoversicherung kombiniert werden, die beim Tode des Sparers in Kraft tritt und welche die Zahlung der noch nicht geleisteten Raten übernimmt, so daß der Sparplan auf alle Fälle erfüllt wird.

Meine erste Frage lautete: Wer soll Ihre Papiere kaufen, und ist es heute, da die amerikanische Börse eine schon langanhaltende Hausse hinter sich hat, noch zweckmäßig, sich über US-Fonds an amerikanischen Aktien zu engagieren?

Den ersten Teil beantwortete Oppenheimer wie folgt: Natürlich sollte kein deutscher Sparer sein Geld ausschließlich in den USA anlegen. Von einer bestimmten Kapitalgröße ab ist jedoch eine internationale Risikostreuung notwendig. Und sie wird am besten, so sagte er, mit US-Fonds erreicht.