Von Uwe Nettelbeck

Dieser Film wurde gedreht nach einem schlechten Roman von Alberto Moravia, von Carlo Ponti, dem Produzenten, eigenmächtig um ein paar bunte Sachen verlängert und vom deutschen Verleih (Inter-Film) an anderer Stelle wieder sinnentstellend gekürzt. Es spielen Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance und Fritz Lang. Es handelt sich um „Die Verachtung“ (Le Mepris), den sechsten abendfüllenden Spielfilm Jean-Luc Godards; Raoul Coutard hat ihn photographiert. Um einen sehr guten Film trotz Moravia, Ponti und der Firma Wenzel Lüdecke, die für die deutsche Fassung zeichnet.

Camille entdeckt eines Tages, daß sie Paul, ihren Mann, nicht mehr liebt. Sie glaubt, er habe sie aus Berechnung mit einem anderen allein gelassen. Der andere ist Jeremy Prokosh, ein amerikanischer Produzent, der nach Italien gekommen ist, um zu verhindern, daß der Film, in den er sein Geld gesteckt hat – es ist die Geschichte der Heimkehr des Odysseus –, zuviel von den alten Griechen zeigt und zuwenig nackte Nymphchen. Paul soll für ein Honorar von zehntausend Dollar dem Regisseur ins Handwerk pfuschen und ein nach Prokoshs Vorstellungen geändertes Drehbuch verfertigen.

In Prokoshs Villa in Rom, in ihrer noch nicht bezahlten Dreizimmerwohnung, in einem Kino, in Prokoshs Villa auf Capri versuchen Paul und Camille zu begreifen, was mit ihnen los ist. Schließlich schreibt sie einen Brief („Ich glaube, ich werde allein bleiben. Ich küsse Dich. Adieu.“) und fährt mit Prokosh („Klemmen Sie sich in Ihren Alfa, Romeo“) zurück nach Rom. Der Wagen prallt gegen einen Lastzug. Paul wird sein Theaterstück schreiben, von dem er schon lange träumt, jedenfalls sagt er es, und der Film über Odysseus wird ohne seinen Produzenten beendet werden.

Es ist aber nicht nur eine Liebesgeschichte, die Godard uns erzählt.

Er beginnt mit einem Zitat: „Der Film“ – sagt André Bazin – „unterschiebt unserer Vorstellung eine Welt, die mit unseren Wünschen übereinstimmt.“ Und er wagt dahinter den programmatischen Satz: „Die ‚Verachtung‘ ist die Geschichte dieser Welt.“

Das verweist auf die zweite, die essayistische Dimension seines Films: „Die Verachtung“ ist auch ein Film über den Film. Über einen alten Regisseur, der seinen Frieden gemacht hat mit dem Apparat, einen Frieden voller Verachtung; der aufgegeben hat und von den alten Tagen träumt und von dem sehr Schönen, das er noch zu machen hofft, obwohl er es zu machen nicht mehr hoffen kann.