FÜR die Nachlese zum Shakespeare-Jahr –

Wolfgang Clement „Shakespeares Monologe“; Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen; 95 S., 3,80 DM.

ES ENTHÄLT fünfzehn Interpretationen, von großen Shakespeare-Monologen (und die Texte) – vom vielstrapazierten „Sein oder Nichtsein“ bis hin zu solchen, die noch nicht Aufnahme gefunden haben im Herzen des Bildungsbürgers.

ES GEFÄLLT, weil Wolfgang Clemens Methode, das relevante Detail (nämlich den für das elisabethanische Drama so wichtigen Monolog) einer exakten Untersuchung zu unterziehen und danach erst vorsichtig die Ergebnis-Früchte einzusammeln und Schlüsse auf das Werk zu ziehen, unendlich überzeugender ist als der umgekehrte Weg, der von einer vorgefaßten Meinung ausgeht (zum Beispiel der originellen Ansicht, daß Shakespeare ein großer Dichter sei) und sich dementsprechend die Beweise zurechtzimmert. Daß über der Mosaikarbeit der Kontext und die größeren Zusammenhänge nicht verlorengehen, versteht sich von selbst bei einem Philologen vom Range Wolfgang Clemens, eines der wenigen deutschen Shakespeare-Forscher, die auch in angelsächsischen Ländern genannt und gelesen werden. P. K.