Wie man in den Wald hineinruft, so schallt’s aus ihm heraus. Mit der gleichen Konzilianz, mit der Georg Leber, der erste Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bau Steine Erden, im Herbst vergangenen Jahres seinen „Plan zur Vermögensbildung der Bauarbeiter“ auf den Tisch legte, hat Karl Pfeiffer, der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, nun die Vorstellungen der Unternehmer zu diesem Thema bekanntgegeben. Der „Leber-Plan“ ist mit dem „Pfeiffer-Plan“ konfrontiert.

Beide Pläne unterscheiden sich in nicht unwesentlichen Punkten. Die Unternehmer können dem Leberschen Vermögensbildungs-Fonds keine guten Seiten abgewinnen; und sie halten es auch für wünschenswert, die vermögenswirksamen Zuwendungen der Arbeitgeber an eine gewisse eigene Sparleistung der Arbeitnehmer zu koppeln. Das würde dem Vermögensbildungs-Abenteuer der Bauwirtschaft eine zusätzliche liberale Komponente verleihen. Im Grundsätzlichen aber, in der Frage der Tariffähigkeit, stimmen beide Pläne überein. Damit ist die gemeinsame Basis geschaffen, auf der echte Verhandlungen geführt werden können.

Mit dem prinzipiellen Ja zu dem Wunsch der Gewerkschaft, vermögenswirksame Leistungen der Arbeitgeber an ihre Arbeitnehmer zum Gegenstand von Tarifverträgen zu machen, sind die Unternehmer der Bauwirtschaft aus der durch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände repräsentierten Front .ausgebrochen. Zum Nutzen der Arbeitgeber, wie sich bei den weiteren Verhandlungen in der Bauwirtschaft – sie müssen bis Ende März abgeschlossen sein – zeigen wird. Denn wenn es überhaupt für sie eine Chance gibt, ihre Vorstellungen in dieser Frage durchzusetzen, dann nur im Rahmen kollektiver Abmachungen mit den Gewerkschaften. Diese Entscheidung ist bei den Beratungen des dem Bundestag vorliegenden neuen 312-Mark-Gesetzes bereits so gut wie gefallen. kr