Hunsche und Krumey kamen billig davon

Von Axel Eggebrecht

Das Nicht-Urteil, diese unschöne, aber eindeutige Wortschöpfung stammt von Rechtsanwalt Dr. Laternser. Er wollte damit im Auschwitzprozeß ein Nürnberger Urteil abwerten. Im Krumey-Hunsche-Verfahren aber plädierte er genau umgekehrt: Da diese Angeklagten nach 1945 niemals von einem alliierten Gericht verurteilt wurden, seien sie längst freigesprochen, und das Frankfurter Gericht müsse diesen Spruch nachvollziehen.

So geschah es denn auch; Laternsers Mandant Otto Hunsche wurde aus Mangel an Beweisen in allen Punkten freigesprochen. Laternser darf sich als Sieger fühlen. Das gilt aber auch für Dr. Schmidt-Leichner, dessen Klient Hermann Krumey für Beihilfe zum Mord in einer unbestimmten Zahl von Fällen fünf Jahre Zuchthaus bekam. Da die Untersuchungshaft voll angerechnet wird, hat er nur noch wenige Wochen abzubüßen. Doch bleibt er in Haft, weil gegen ihn noch ein anderes Verfahren läuft.

Einem Rechtsstaat würdig?

Im westlichen Ausland hat man auf dieses Urteil mit unverkennbarem Erschrecken reagiert. Im Osten reibt man sich die Hände: So also sieht der demokratische Rechtsstaat aus, wir wußten’s ja schon immer! Bei uns haben die Gewerkschaften protestiert, und fast die gesamte Presse kommentierte den Fall mit Befremden. Gar so überraschend ist er nicht; nur wurde der Ausgang zahlreicher kleiner Naziprozesse weniger aufmerksam beobachtet als das Ende dieser neun Monate zäher Bemühungen unter dem Vorsitz von Landgerichstdirektor Arnold Schmidt.

Revisionsanträge wurden sogleich von Staatsanwaltschaft und Nebenklage, auch von Schmidt-Leichner angekündigt. Ob der Bundesgerichtshof ihnen stattgibt, wird davon abhängen, ob Formfehler entdeckt oder neue Tatsachen beigebracht werden können. Beides ist fraglich.