DIE ZEIT

Wessen Untreue?

Als ein Kuriosum ist in Washingtoner Regierungskreisen jenes Gespräch empfunden worden, das der außenpolitische Chefkorrespondent der New York Times, C.

Alle vor den Kopf gestoßen

Wenn man die außenpolitischen Aktionen und Manifestationen der Regierung Erhard während der ersten sieben Wochen des neuen Jahres zu einem Bilde zusammenfügt, dann kann man nur staunen.

Zeitspiegel

"An diesem Tag vereint sich das deutsche Volk über die Zonengrenze hinweg in tiefer Trauer über die Ereignisse des 13. Februar 1945, an dem in einer Nacht mehr Menschen getötet worden sind als bei den Atombombenabwürfen über Japan.

Kein General, wie er im Buche steht

Unsere Flugzeuge (die anderen besitzen keine) haben die absolute Luftherrschaft. Unsere Flotte (die anderen besitzen keine) beherrscht das Meer.

Die Rechnung der Tunnelbauer

Drei angetrunkene Zimmerleute waren die Strelitzer Straße heraufgekommen, Richtung Bernauer Straße. Sie standen plötzlich vor einem Schlagbaum.

Strauß – Sträter – Mende

In der Regierungskoalition gab es am vorigen Donnerstag ein Versöhnungsgespräch, zwar ohne Versöhnung, dafür aber mit einem Mißverständnis – dies trat gleich bei der Beurteilung des Gesprächs zutage: Rasner (CDU) bezeichnete es als "offen und herzlich", Kühlmann-Stumm (FDP) als "frostig".

Deutschland – ein weißer Fleck

Wie sehen die Amerikaner das neue Deutschland? Das Bild, das Joseph Kraft in der folgenden Analyse entwirft, ist nicht eben schmeichelhaft für uns: Ressentiments aus der Nazi-Zeit bestimmen es – oder totale Gleichgültigkeit.

Am Gängelband der USA?

Auf den Flugplätzen der Royal Air Force stehen 50 V-Bomber, ein Drittel der britischen Atombomberflotte, zum Verschrotten bereit.

Die Herrschaft der Mahdis

Die fanatischen Krieger des Mahdi, die vor 80 Jahren den Sudan durch Feuer und Schwert befreiten, sind wieder einmal die politischen Herren dieses unermeßlichen Wüstenlandes.

Neuer Kurs am Bosporus

Die wohlvertraute politische Landkarte des Balkans scheint plötzlich nicht mehr zu stimmen. Wie waren doch zu Zeiten des kalten Krieges die Verhältnisse klar und übersichtlich: Griechenland und die Türkei standen treu zum Lager des Westens, die anderen Balkanländer gehörten zum kommunistischen Block.

Forschungshilfe unter Druck

Noch keine 24 Stunden waren vergangen, seit der Wissenschaftsminister Lenz den Bundesbericht Forschung I mit den alarmierenden Feststellungen über die unzureichende finanzielle Förderung der Forschung der Öffentlichkeit übergeben hatte – da kürzte der Haushaltsausschuß des Bundestages die Mittel für den Ausbau der Hochschulen um 21 Millionen Mark.

Wolfgang Ebert:: Das Double

Als ich jetzt erleben mußte, wie der Regierungschef meines Landes, das ich bisher für nicht ganz unbedeutend hielt, den Herren de Gaulle und Nasser um den Bart ging und um ihr gnadenvolles Lächeln liebedienerisch buhlte, wurde ich sehr nachdenklich.

Albertz – ein "Regierender"?

Daß der Landesvorsitzende der Berliner SPD, Kurt Mattick, bisher noch nie Ambitionen auf den Posten des Regierenden Bürgermeisters an den Tag gelegt hat, gilt in den Augen der führenden Männer seiner Partei als eine seiner vorzüglichsten Eigenschaften.

Bund der "Französischen"?

Dreizehn Staatsoberhäupter des französischsprechenden West- und Zentralafrika und von Madagaskar versammelten sich vorige Woche in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott, um die Grundlagen ihrer Zusammenarbeit zu überprüfen.

Europäische Fanfaren

Außenminister Michael Stewart bezichtigte am Montag den Führer der konservativen Opposition, er habe sich zwei Tage vorher zum Thema Europa in bloßen Gemeinplätzen ergangen.

Der blutige Sprachenkrieg

Der indische Unabhängigkeitstag, am 26. Januar mit Paraden und Festansprachen gefeiert, war alles andere als ein Jubeltag: In den vier Südstaaten Madras, Mysore, Kerala und Andhra lieferten sich Studenten und Polizisten blutige Straßenschlachten.

Der kleinste Staat in Afrika

Der jüngste und kleinste Staat Afrikas – Gambia – wurde in dieser Woche unabhängig und ins Commonwealth aufgenommen. Die 316 000 Einwohner (fast nur Schwarze, zumeist Muslims) bleiben unter der Oberherrschaft der britischen Königin.

Vietnam: Kein Friede in Sicht

Trotz der amerikanisch-südvietnamesischen Luftangriffe auf militärische Ziele in Nordvietnam und Versorgungswege in Laos tobt der Bürgerkrieg in Südvietnam (und Laos) weiter – mit hohen Verlusten für die Regierungstruppen und ihre US-"Berater".

Von ZEIT zu ZEIT

Der israelische Ministerpräsident Levi Eschkol hat eine Ablösung der restlichen deutschen Militärhilfe in Geld abgelehnt. Das Parlament in Jerusalem verlangfeeine Über- prüfung der Beziehungen zur Bundesrepublik.

Bonn zwischen allen Stühlen

"Schmähliche Niederlage für Westdeutschland", "die schlechteste von zwei Welten gewählt", "ebenso nutzlos wie entehrend" – mit solchen Kommentaren begleitete die Weltpresse das Fiasko der Bonner Orient-Politik.

Namen der Woche

Pjotr Kirrillowitsch Koschewoi, Armeegeneral, wurde zum neuen Oberbefehlshaber der zwanzig sowjetischen Divisionen in Deutschland ernannt.

Moskau in der Zwickmühle

Zu welchen Entscheidungen sich das Führungskollektiv im Kreml nach der Fernostmission Kossygins durchgerungen hat, wird die Welt erst in einigen Wochen wissen.

Der Kanal des Darius

Der Propagandakrieg zwischen Nasser und dem Schah am Persischen Golf treibt erstaunliche Blüten. Sprachen die Gefolgsleute Nassers schon lange vom Arabischen Golf", so hat sich das persische Parlament nun revanchiert, indem es den Suezkanal in Dariuskanal umtaufte, zu Ehren jenes persischen Weltherrschers, der schon um 512 vor Christi Geburt einen von den Ägyptern angefangenen Kanal zwischen dem Nil und dem Roten Meer vollenden ließ.

Ein Interview mit Mao

Mao Tse-tung, der 71 Jahre alte Herrscher über 700 Millionen Chinesen, gab am 9. Januar seinem alten Freund, dem amerikanischen Journalisten Edgar Snow, ein Interview (voller Wortlaut diese Woche im "Stern"), das nach seinen eigenen Worten "von den Bergen des Südens bis zu den Meeren des Nordens" reichte.

Leszek Kolakowski: Vier biblische Geschichten, zur Lehre und Warnung

Als es Gott schließlich – zu spät! – reute, daß er die Gattung Mensch geschaffen hatte, und er, über die Folgen des eigenen Leichtsinns entsetzt, beschloß, seine mißlungenen Ebenbilder zu ertränken, sah er, wie man weiß, in Noah das einzige Exemplar, das wert war, gerettet zu werden.

Leszek Kolakowski – wer ist das?

Diese leidige Erfahrung bleibt den geistig beweglicheren unter den Jüngern von Karl Marx so wenig erspart wie ihren "idealistischen" Kollegen.

Carl Zuckmayer:: Sollen wir unsere Kritiker erschießen?

Drittens: Wenn es auch kein Vergnügen ist, sich nach einer langen und guten Arbeitszeit von Leuten, die man nur zum geringen Teil für kompetent hält, in aller Öffentlichkeit Sottisen sagen zu lassen, so ist trotzdem die Kritik, zum mindesten, ein notwendiges Übel – wobei der Nachdruck auf dem Worte "notwendig" liegt.

Neue Architekturkritik (8): Schönheit in Millimetern

Im Mai 1963 ist ein neues Stück Autobahn im Südosten Hamburgs fertiggestellt worden. Es schließt die Lücke zwischen den beiden Autobahnen nach Hannover/Bremen und nach Lübeck, so daß der Verkehr in diesen Richtungen nicht mehr durch die Hamburger Innenstadt hindurch muß.

Unsere Sprache: Literatur an der Pegnitz

Man kommt, wenn man einmal Blut geleckt hat, vom Stellenmarkt nicht mehr los. Er ist das große Feld der sprachlichen Fehlleistungen unserer Zeit, weil sich hier kaum einer die Mühe gibt, an diejenigen zu denken, die diesen Teil der Journale eben auch lesen: die Sprach verliebten, die Genauigkeitsfanatiker des Wortes, die Literaten und die Poeten.

Zeitmosaik

Die französische Presse macht sich immer größere Sorgen über gewisse Bestrebungen der Behörden, die, in letzter Konsequen auf eine Unterdrückung jeglicher Art von erotischer Literatur hinauslaufen würden.

Kleiner Kunstkalender

Der Pariser Lettrismus habe als eine dichterische Bewegung begonnen, die "den Buchstaben auf Kosten des Wortes erglänzen lasse", meint Michel Tapie, der unermüdlich und am laufenden Band nicht nur neue Künstler, sondern Gruppen, Schulen, Ismen entdeckt und propagiert.

Innere Kraft

Da es leider keine parteipolitische Neutralität der Gewerkschaften gibt, da sie vielmehr eine bewußt gesteuerte einseitige Organisation sind, die alle nicht SPD-Organisierten als Außenseiter behandelt und sie auch draußen stehen läßt, zweifeln wir an der inneren Kraft der Gewerkschaften, Deutschland vor einer neuen sozialistischen Machtergreifung zu bewahren.

Muskeln und Noten

Wim Thoelke, ein Freund der lauten Scherze und des biedermännischen Witzes: grellen Effekten so wenig wie der derb-vertraulichen Suada abhold; Thoelke, der das Schulterklopfen und die wohlberechnete Improvisation liebt – ein Dieter Hildebrandt im Holzschnitt-Maß: dieser Bramarbas und Gargantua, der immer dann gut ist, wenn er sich ironisiert, und immer dort schlecht wird, wo er, Witzeerzähler und Lacher zugleich, den eigenen Charme überschätzt – Thoelke also erwies sich, schlagersingende Sportler vorstellend, als Causeur hohen Ranges.

Theater

Der 35jährige Kölner Hermann Moers, Verfasser von Hörspielen, Romancier und Bühnenautor, schon 1960 mit dem Gerhart-Hauptmann-Preis ausgezeichnet ("Zur Zeit der Distelblüte", "Beginn der Badesaison", "Koll"), treibt in seinem Stück "Der kleine Herr Nagel" mit Ingrimm und listiger Verstellung ein altes Spiel: Er reißt der Gesellschaft die Maske vom Gesicht.

Funk: Elias Canetti

Eine Stimme klingt auf: wienerisch gefärbte Intensität, Erkenntnisse, den Jahren 1942 bis 1948 abgerungen und zu Metaphern geworden.

Vom Leben in der Vorstadt

Einen kleinen Film abseits des Üblichen, einen Film, den er sehr gern habe, einen Vorstadtwestern oder auch eine Sittenstudie, erzählt wie ein Kriminalroman, hat Jean-Luc Godard "Die Außenseiter-Bande" ( Bande à part) genannt; mit seinen Filmen ist mehr anzufangen als mit seinen Bemerkungen.

Giorgione – neu gesichtet

Man nimmt den neuen großen Giorgione-Band, den der Verlag Anton Schroll, Wien, herausgebracht hat, mit besonderen Erwartungen in die Hand: Zum ersten Male wird das Werk des Malers in farbigen Reproduktionen geboten, noch dazu mit Detailaufnahmen.

Bildung und harte Tatsachen

Wenn 1870 nur etwa vierzig von hundert Fünfzehnjährigen damit rechnen könnten, das 65. Lebensjahr zu erreichen, 1950 aber fünfundsiebzig diese Aussicht hatten, so geht daraus hervor, daß sich die Verzinsung der Aufzucht- und Ausbildungskosten stark verbessert hat.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT der Band von Kutsch/Riemens die wichtigsten Daten und Stationen aus den Biographien berühmter Sängerinnen und Sänger, dazu jeweils eine Stimmen-Charakterisierung an Hand der Rollen und Fächer, die die Künstler vertreten.

Mainz, wie es singt und verdient

Die Mainzer Narren, die es in dreizehn Jahren zu einer beachtenswerten Bildschirmpopularität gebracht haben, forschen in diesen Februartagen besonders intensiv nach Sinn und Unsinn des Wörtchens "Kontrast".

Glück im Glück

Die "Milde Stiftung" stammt aus der Pestzeit, einer der trüben Stationen Hamburger Heimatkunde. In den Gründerjahren erbaute sie ihren Armen eine stattliche Backsteinburg mit Mittelturm, Torbogen, Innenhof und Hintertrakten.

Weißblauer Wirbel

Damals, als Frau Dr. Hildegard Hamm-Brücher ihren Platz im Rundfunkrat für ihren Partei-"Freund" Dr. Klaus Dehler räumte, nahm man in München die offizielle FDP-Version noch hin, daß dieser Rücktritt wegen Arbeitsüberlastung der bisherigen Rundfunkrätin geschehe.

Zeugen hinter Gittern

Etwa 800 Zeugen Jehovas in der Bundesrepublik sind im wehrpflichtigen Alter. Sie lehnen aus Gewissensgründen den Wehrdienst ab.

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