den Führer Mao, den Führer Mao.

Was ist das nun? Parteilyrik? Mißbrauch der Kunst zur Agitation? Oder sind die Partei und Mao nur zeitübliche Schnörkel, nur Formalien, die heute nun einmal dazugehören, ohne sehr ernst genommen zu werden? Oder paßt im Weltbild eines jungen Chinesen das für uns Widersprüchliche zusammen, gehört es sogar zusammen?

Es ist verhältnismäßig leicht, heute in China alles schön oder alles schrecklich zu finden. Ich habe touristische Damen erlebt, die in Tempeln und Teehäuschen kleine Schreie des Entzückens ausstießen, vor den Pagoden von "asiatischer Mystik" schwärmten und jeden Lastträger "reizend" fanden. Nach ihrer Ansicht ist das moderne China in bester Ordnung, weil überall Sauberkeit herrscht. Zugleich aber liest man Berichte politischer Journalisten, die wochenlang durch China reisten und kein einziges hübsches Mädchen sahen. Beobachteten sie eine Frau, die einen Handkarren zog, so notierten sie "Sklavenarbeit", "Hohn auf die Gleichberechtigung", "kommunistische Unterdrückung". Wo liegt die Wahrheit?

Wer China sieht, findet, daß es hier nur selten eine Wahrheit gibt und daß meist auch das Gegenteil stimmt. Doch der beherrschende Eindruck ist tatsächlich in drei Worten wiederzugeben: Ordnung, Sauberkeit, Disziplin.

Das fällt dem Besucher besonders dann auf, wenn er vorher durch andere asiatische Länder reiste. Von dem bunten Chaos, der unbeherrschten Vielfalt, der hemmungslosen Jagd nach Trinkgeld und der zur Schau gestellten Armut sieht man in China nichts. China ist gebändigter Orient, Sogar dort, wo in engen Altstadtgassen mit ihren einstöckigen Holzhäusern das Familienleben sich quasi im Freien abspielt, wo die Kinder ihre Notdurft verrichten, wo Handwerker arbeiten, wo riesige Berge von Chinakohl gestapelt oder verkauft werden, sogar dort herrscht Sauberkeit. In den Hauptstraßen sieht man überall Straßenreiniger am Werk. Es sind meist die Frauen, die in der einen Hand einen Besen tragen, in der anderen ein Gerät, das halb Kehrschaufel, halb Müllkasten ist und zum Transport über die Schulter gehängt werden kann.

Letzte Bastion der Profitgier

Schließlich hat man das Gefühl: Irgendwo fegt, putzt, schrubbt, wischt immer einer. Hält zum Beispiel ein Eisenbahnzug auf einer Station, so beginnt das Zugpersonal sofort, mit langen Wischbesen auch das Äußere der Wagen zu reinigen; um das Innere hat es sich schon während der Fahrt unablässig gekümmert. Die Parks in den Städten sind tadellos gepflegt. Scharen von Kindern jäten das Unkraut – natürlich "freiwillig".