Von Hermann Funke

Häufig wird gefordert, die Architekten sollten – verdammt nochmal – die Wohnungen endlich so bauen, wie die Mieter und nicht wie die Architekten sie haben wollen. Die Architekten sind hier in einer ähnlichen Situation wie die Fernsehgesellschaften, die endlich das senden sollen, was das Fernsehvolk sehen will.

Die Eisenbahn – Wohnungsbau – Gesellschaft Nürnberg, die für die Bediensteten der Bundesbahn Wohnungen baut, hat sich die Mühe gemacht, die Wünsche ihrer Wohnungsuchenden zu erkunden, bevor sie mit der Planung der

Parkwohnanlage Zollhaus in Nürnberg, Architekt G. G. Dittrich, Nürnberg

begann. Was ist dabei herausgekommen?

Zweiundvierzig Prozent der befragten 1072 Wohnungsuchenden wünschten sich eine Wohnküche alten Stils. Über fünfzig Prozent wollten keine Zentralheizung, sondern Ofenheizung, über vierzig Prozent wollten Wohnzimmer von nur sechzehn Quadratmetern haben. Kurz: eine sehr hohe Zahl von Bewerbern wünschte sich Wohnungen, wie sie allenfalls in den ersten Nachkriegsjahren gebaut worden sind. Dabei handelte es sich um Leute jeder Einkommensstufe. Hätte die Wohnungsbaugesellschaft diesen Wünschen nachgeben sollen?

Weder der Architekt noch die Wohnungsbaugesellschaft waren dazu bereit. Sie bauten keine Wohnküchen, sondern praktisch eingerichtete kleine Köchküchen, die mit den Eßplätzen verbunden sind. Zwischen Küche und Eßplatz setzten sie eine Holzwand mit einer Glastür. Diese ganze Wand kann so geschwenkt werden, daß sie den Eßplatz vom Wohnzimmer trennt. Die Mieter haben also die Wahl, Küche und Eßplatz oder Eßplatz und Wohnzimmer offen miteinander zu verbinden.