Drei Orte, drei Eindrücke, drei Gastronomen

Aller guten Dinge sind durchaus nicht drei, besonders, wenn man durch Italien fährt und alle paar Minuten auf historische Schnurrigkeiten stößt, beispielsweise auf die Kirche in Grazie (Mantua), wo viele Kapitalisten seit der Schlacht bei Pavia (1525) den Tod in mancherlei Gestalt darstellen ließen, wenn sie ihm entrinnen konnten. Da gibt es Ritter, die am Galgen baumeln; Kaufleute, die in einen Brunnenschacht gestoßen werden; Folterszenen höchst ungemütlicher Art, Köpfungen und andere Scharfrichterspäße. Es kann einem übel werden aber man atmet ruhiger, weil man ja weiß, daß es sich um Votivbilder und Votivplastiken der Dankbarkeit wegen Errettung aus Todesnot handelt.

Weil der Mensch sich bescheiden soll, bleibe ich bei drei guten Dingen. Auf der Reise nach Siena kam ich durch Asolo und durch Cesena. Ich weiß, ganz genau, daß es auf dieser wohl 700 Kilometer langen Strecke viele erbauliche Einblicke und Ausblicke gibt. Ich habe drei notiert:

Das Städtchen der Duse

Im Jahre fahre ich mindestens einmal nach Asolo, das am hügeligen Fuße des Monte Grappa zwischen Bassano und Montebelluna gleich weit entfernt von Bozen und Cortina liegt. Ich habe die große Eleonore Duse nie gesehen; aber ich kenne ihre Tage und Taten und spüre Respekt vor Kunst und Künstlerin, wenn von ihr die Rede ist. Dann entdeckte ich ihr Grab auf einem der schönsten Friedhöfe der Welt in Asolo. Das Städtchen selbst nennt sich stolz den „Ort der hundert Horizonte“. Ich kann bestätigen, daß man allein vom Kirchhof her, der winklig gebaut und am Hügel emporgezogen ist, in alle Richtungen der Windrose blicken kann.

Die große Duse ging dorthin, als sie müde geworden war. Sie hatte ein eigenes Theaterchen in Asolo; und im Stadtmuseum, wo es etliche Erinnerungsstücke an Casanova und Thorwaldsen gibt, hat man drei Räume der Erinnerung an die weltberühmte Schauspielerin geschaffen; dort sieht man Bühnengewänder, Kostüme, Mitbringsel aus Amerika, Korrespondenzen mit Gabriele d’Annuncio und Hermann Bahr, Autogramme von Sudermann und Bismarck. Das alles ist recht rührend, hat den Geruch von Patschuli, verpflichtet aber auch ein bißchen zu Dank.

Cipriano, ein Gastronom von Rang, hatte vor einigen Jahren seine kochkünstlerische Nase in Asolo schnobern und wittern lassen. Er, der seit eh und je aus abseitigen Plätzen Treffpunkte der Feinschmecker gemacht hat, zitierte die Bibel: „Hier ist es gut, hier will ich Hütten bauen.“ In Venedig hat er fern vom Getriebe auf der Isola della Giudecca seinen Prachtbetrieb errichtet; dann zog es ihn zur Insel Torcello, auf der es vor dem letzten Krieg nur eine kleine Anglerkneipe gab. Aber dann kam Hemmingway und sang das Lied von Torcello. Und endlich erschien Cipriani und gründete das heute gepriesene Restaurant „Locanda Cipriani“.