Im Grunde ist alles perfekt, wir könnten unterschreiben“, frohlockte im Dezember vergangenen Jahres Walter Hesselbach, Vorstandsvorsitzender der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) in Frankfurt. Er meinte damit das Arrangement zwischen seiner Bank und der Union Financiere de Paris über die Frankfurter Investitions- und Handelsbank (IHB). Schon schwärmte er von einer Vertragssignierung in Straßburg, um eben das Europäische bei diesem Abkommen zu dokumentieren. Rund 51 Prozent oder knapp 21 Millionen Mark vom Aktienkapital der einstigen „Münemann-Bank“, an der die BfG seit Mitte letzten Jahres zu 76 Prozent beteiligt ist, sollten an eine internationale Gruppe übergehen: eine Schachtelbeteiligung von gut 25 Prozent an eine der großen französischen Banken, eine weitere Schachtel gemeinsam an die Union Financiere, eine bedeutende britische Bank und ein Institut aus den USA („damit haben wir auch den atlantischen Wind im Rücken“, meinte seinerzeit Hesselbach).

Letzte Woche klang es dann recht kleinlaut aus dem BfG-Verwaltungsgebäude, die der Union Financiere eingeräumte Option habe man zurückgenommen, da „die Vorstellungen über eine partnerschaftliche Beteiligung nicht innerhalb der festgesetzten Frist zu realisieren“ seien. Der große Sprung der gewerkschaftlich-genossenschaftlichen BfG auf das internationale Bankenparkett – hinauf in die Höhen von illustren Namen, wie Dreyfus, Rothschild, Montagu oder Lambert – ist vorerst nicht gelungen.

Es war das dritte Mal, daß eine Gedankenkonstruktion über neuartige Besitzverhältnisse bei der IHB, diesem jungen, von den sittenstrengen, alteingesessenen deutschen Geschäftsbanken etwas über die Schulter angesehenen Institut, zusammenbrach. Münemann, als er noch mit einigen Millionen in der IHB steckte, entwickelte die Idee, daß diese filiallose Bank schon wegen ihrer Refinanzierung Anlehnung gebrauchte – am besten an die Girozentralen. Hesselbach griff diesen Vorschlag auf. „Großartige Sache“, meinte sein Duzfreund, Landeszentralbank-Präsident Bröker, „darüber muß ich mit Butschkau sprechen.“ Doch der rührige BfG-Boß, dessen Verhandlungsgeschick bislang zu rühmen war, reiste mit dem zum Verkauf stehenden Aktienpaket zum Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Das war falsch – Butschkau wollte oder konnte nicht.

Den zweiten Ärger gab es, als im hessischen politischen Parteiengetümmel der Plan der hessischen Regierung, sich an der IHB zu beteiligen, zerplatzte. Damals, hatte Hesselbach noch eine dritte, scheinbar brillante Lösung parat. Freimütig gesteht er, daß sie nicht seiner Überlegung entsprungen sei. Der New Yorker Broker Oppenheimer hat sie entworfen: eine Internationalisierung der Investitions- und Handels-Bank, die ja noch so jung und daher wandlungsfähig ist. Oppenheimer-Nachfolger Stern brachte die Verbindung zur Union Financiere zustande, er zog auch gleich eine amerikanische Bank mit ins Gespräch.

Die zunächst hoffnungsvoll angelaufenen Verhandlungen blieben schließlich wohl wegen der Hesselbachschen Konzeption einer „gleichberechtigten Mitwirkung“ ergebnislos.

Die BfG wollte, laut Hesselbachs Absicht, bei etwa 25 Prozent Beteiligung an der IHB zwar Partner aufnehmen, aber weiter herrschen. Auf jeden Fall sollte vermieden werden, daß die abgegebene Mehrheit plötzlich in einer Hand landete, die der Gemeinwirtschaftsbank das IHB-Lenkrad aus der Hand nehmen könnten. Er gestand zwar einer französischen Bank auch rund 25 Prozent zu. Die drei anderen Interessenten sollten sich jedoch mit jeweils gut 8 Prozent und sc mit der Rolle von Kleinaktionären zufrieden geben. Und – verlangte Hesselbach weiter – wann immer einer der Partner IHB-Aktien noch dazukaufte, sollten sie anteilmäßig aufgeteilt werden.

Aus Frankfurter Sicht mag diese Bedingung verständlich erscheinen – „wenn einmal einer die Mehrheit hat, hält auch der beste Vertrag nicht mehr“, philosophiert hierzu Hesselbach –, dich die Gesprächspartner im Ausland waren offensichtlich mit der ihnen zugedachten Rolle nicht zufrieden.