Rio de Janeiro, Anfang März Schulden in Höhe von rund 200 Millionen Mark sind das einzige, was nach dem Untergang der stolzen brasilianischen Luftfahrtgesellschaft „Panair do Brasil“ übrigblieb. Was aus den eleganten Niederlassungen der Firma in Hamburg, Frankfurt, München und in ungezählten anderen Zentren der Welt werden wird, ist bisher ungeklärt. Alle Bemühungen, den Bankrott noch nachträglich zu „reparieren“, die Ruine in eine Stiftung zu verwandeln oder wenigstens den eingeführten klangvollen Namen zu retten, scheinen zum Scheitern verurteilt zu sein.

Überdies zeigt die Regierung keine Neigung, die aufgedeckten Mißstände zu vertuschen und finanziell in die Bresche zu springen. Die beiden Hauptaktionäre der Firma, Mario Wallace Simonsen und Celso da Rocha Miranda, sollen der bisherigen Untersuchung zufolge systematisch auf eine Enteignung hingearbeitet haben, weil sie sich davon eine große Entschädigung und die Übernahme sämtlicher Verbindlichkeiten durch den Staat erhofften. Mit diesem Ziel vor Augen konnte die Gesellschaft rücksichtslos ausgepumpt werden.

Man unterschiebt der Unternehmensführung, daß Flugzeuge vorsätzlich beschädigt wurden, um mit den Versicherungssummen die gefährlichsten Gläubiger zu beschwichtigen. Inneramerikanische Flüge sollen buchmäßig bis Europa verlängert und die dafür freigegebenen Devisen an eine im Ausland gegründete Tarnfirma überwiesen worden sein.

Brasiliens Regierung entzog der Panair alle Flugkonzessionen, „um die Sicherheit des Luftverkehrs und das Ansehen des Landes zu wahren“. Der größte Bankrott in der Geschichte Brasiliens wird voraussichtlich noch andere Firmen in den Zusammenbruch reißen, wie etwa die Fernsehgesellschaft „Excelsior“ in Rio de Janeiro, die ebenfalls zur Simonsen-Gruppe gehört. Als Hauptgläubiger auf internationalem Feld erscheinen die Part American World Airways.

Die wichtigsten Strecken der Panair sollen vorläufig von einer anderen brasilianischen Gesellschaft, der VARIG, beflogen werden. J. H.