Nasser ergeht es mit den Royalisten im Jemen wie den Amerikanern mit den Vietcong: Seine Flugzeuge beherrschen den Luftraum, seine Panzer kontrollieren die Straßen, seine Soldaten halten alle festen Punkte besetzt – aber in den Bergen des Nordens und den Wüsten des Ostens halten sich ungeschlagen die Heere des Imams und seiner Vettern. Tagsüber sind die Ägypter die Herren, nachts zittern sie vor den Überfällen der Royalisten.

Der Bürgerkrieg zwischen den von Nasser gestützten Republikanern und den Anhängern des Imam hat sich zu einem Machtkampf zwischen Ägypten und Saudi-Arabien ausgewachsen, in den sich jetzt auch der Schah von Persien, der große Gegenspieler Nassers am Persischen Golf, eingemischt hat. Dieser Beistand kommt nicht von ungefähr: Persien und die zaiditischen Stämme im nördlichen Jemen bekennen sich zum schiitischen Zweig des Islam, während die Bewohner im Süden des Jemen ebenso wie die meisten Ägypter zum schafiitischen Zweig der sunnitischen Muslime gehören.

Außer Geld hat der Schah in letzter Zeit den Truppen des Imam reichlich Waffen zugehen lassen, die über den Golf und durch die arabische Wüste bis an die Grenze des Jemen transportiert werden, Auch König Feisal hat mit Rüstungslieferungen nicht gespart. Wenn das ägyptische Expeditionskorps – inzwischen auf 55 000 Mann verstärkt und mit neuen sowjetischen Waffen versehen – die neue Frühjahrsoffensive eröffnet, wird es auf einen gut gerüsteten, unverzagten Gegner treffen.

Für Ägypten wird der Krieg, der nun schon zweieinhalb Jahre anhält, immer kostspieliger. Die Kriegskosten werden auf ein bis zwei Millionen Mark pro Tag geschätzt. Kairo nennt jedoch offiziell wesentlich niedrigere Zahlen (seit 1962 in Devisen rund 70 Millionen Mark, in ägyptischer Währung außerdem 345 Millionen Mark). In einer Geheimsitzung der ägyptischen Nationalversammlung gab Feldmarschall Ämter zum erstenmal auch Verlustzahlen bekannt: Demnach sind 105 Offiziere und 1502 Soldaten gefallen. Inoffiziell wird jedoch von 16 000 Toten gesprochen.

Nasser muß jedoch seiner Freunde wegen weiterkämpfen, da sie so schwach und uneins sind, daß sie sich auf eine Friedenskonferenz mit den Royalisten nicht einlassen können.