Eine Bundeswehrkaserne wurde nach Friedrich Ebert benannt, eine große Gedächtnisausstellung wurde eröffnet, der Bundesratspräsident legte am Grab Eberts in Heidelberg einen Kranz nieder, die Vertreter des „öffentlichen Lebens“ nahmen anläßlich seines 40. Todestages in der Paulskirche an einer Gedenkstunde teil.

Eberts ältester Sohn Friedrich, Verwaltungschef von Ostberlin, darf nicht feiern. Denn der Name Ebert hat in Mitteldeutschland keinen guten Klang. Der alte Ebert hat in Deutschland in den Jahren 1919 bis 1920 eine kommunistische Machtübernahme verhindert...

Wenn aber Friedrich Ebert heute gefeiert wird, dann erinnern wir uns daran, wie das ganze Deutschland – kein geteiltes – ihn seinerzeit in den Tod gehetzt hat. Wir erinnern uns daran, wie die deutsche Presse, von den Deutschnationalen bis zur „Berliner Illustrirten“, bis zum demokratischen Ullstein-Haus, den „Sattlergesellen“ Ebert verhöhnt hat, wie schamlos die Bürgerlichen Seite an Seite mit den Kommunisten und den Nazis, damals „Völkische“ genannt, über Friedrich Ebert hergefallen sind.

Sie haben ihn nicht sachlich bekämpft – das wäre ihr gutes Recht gewesen. Nein, sie haben versucht, ihn persönlich lächerlich zu machen, ihn alskomische Person abzustempeln, ihn, der Deutschland vor einem kommunistischen Regime bewahrt hat.

Die Familie Ebert hat kein Fortune. Der älteste Sohn sitzt im Ostberliner Rathaus. Blumen hat er anläßlich des Todestages nicht bekommen. Vielleicht war er froh, daß niemand daran erinnert hat: „Unser Ebert“ ist ja der Sohn von jenem, Sie wissen schon ...

Aber wir im Westen sollten die heutige Generation daran erinnern, wie würdelos in den „goldenen zwanziger Jahren“ ein deutscher Staatsmann behandelt worden ist. P. Chr. B.