Am Vorabend seines fünfundsiebzigsten Geburtstages hat Heinz Hilpert den Narren in einer Festvorstellung von „Was ihr wollt“ gespielt. Das Deutsche Theater in Göttingen gab das Shakespeare-Lustspiel zu Ehren seines Intendanten, der dieses Amt seit fünfzehn Jahren ausübt.

Komödiant und Präzeptor sind in Heinz Hilpert zum Regisseur zusammengewachsen. Ein gebürtiger Berliner, der seine „Schnauze“ nie versteht hat, erwarb Hilpert Spezialistenruhm mit Inszenierungen just der Wiener Dichter Raimund, Nestroy und Hofmannsthal. Neben Hebbel und Gerhart Hauptmann standen seinem Herzen und Talent besonders Zuckmayer und Ödön von Horvath nahe. Ihnen hält er bis heute die Treue.

Der Poet des Theaters stand seinen Mann in der ehemaligen Reichshauptstadt. Nach zwei Jahren als Theaterdirektor der Berliner Volksbühne wurde Hilpert 1934 zum Intendanten des Deutschen Theaters und der Kammerspiele in Berlin berufen. Als er 1938 auch noch das Wiener Theater in der Josefstadt hinzunahm, war er als Theaterleiter der eigentliche Nachfolger von Max Reinhardt. Er konnte es bis zur allgemeinen Theaterschließung (1944) bleiben – trotz seines Dickkopfes. Goebbels hätte gern mit der Hilpertschen Theatergruppe den Göringschen Staatstheatern Paroli geboten. Doch Hilpert erkannte nur eine künstlerische Konkurrenz mit Gründgens an. Mit dem Spielplan kam man in der Schumannstraße den Machthabern ebensowenig entgegen wie am Gendarmenmarkt. Der Theoretiker Hilpert, der in drei Schriften auch über das Theater reflektiert hat, forderte seinen politischen Herrn sogar offen heraus: In einem Berliner Vortrag wies er dem Theater als einer Stätte der Innerlichkeit religiöse Funktionen zu. Goebbels schäumte, und Hilpert mußte in die Fabrik.

Nach dem Kriege probierte Heinz Hilpert als erster in Konstanz die neue Betriebsform des Theaters als GmbH aus. Sein verbessertes Modell von Göttingen diente dann Gründgens in Düsseldorf zum Vorbild für die paradigmatische Reform des subventionierten Theaters. In Hamburg endlich gab sich Gründgens sogar als Schauspieler (als Osbornes „Entertainer“) in die pfleglichen Regiehände seines Konkurrenten von einst. Jac