Seit Jahrhunderten druckt, verlegt, kauft, liest, verbrennt, stiehlt und verschenkt der Mensch Enziklopädien verschiedenster Preislagen.

Die vorliegende besteht aus einundfünfzig Teilen. Achtundvierzig davon sind aus Holz. Der Autor, von dem der eingangs zitierte Satz stammt, behauptet schlankweg, in dieser Enzyklopädie sei vom Admiral bis zum Zirkusreiter alles enthalten. Und dies ist wirklich und wahrhaftig wahr, sogar in lebhaftester Anschaulichkeit. Freilich muß man sich die Mühe machen, das, was man in dieser Enzyklopädie zu finden wünscht, selber herzustellen. Darin unterscheidet sich

Theodor Hanns Gygax: „Die Faxlibutz-Enziklopädie“, bei René Simmen, Verleger und Kartenmacher, Zürich; Klappschachtel mit 48 Holzteilen und zwei farbigen Faltblättern; für eine und mehrere Personen; 22,80 Mark grundsätzlich von allen anderen „Nachschlagewerken“. Dies birgt aber keine Mühe, sondern ist reines Vergnügen und damit ein Spiel.

Ungewöhnliches ist hier entstanden: Die Holzteile sind in Farbe, Form, Volumen, Proportion im einzelnen schon so harmonisch, daß es fast unmöglich ist, aus ihnen etwas herzustellen, was nicht schön wäre. Egal, was man aus ihnen zusammmenbauen mag: Es wird ästhetisch sein. Und gleichzeitig komisch. Dabei handelt es sich im Grunde um einen höchst einfachen Baukasten, freilich einen ungewöhnlichen. Deshalb wird er auch nicht in Spielwarenläden, sondern im Buchhandel vertrieben.

Da sind zunächst vier verschieden große rechteckige und ein runder Körper, sechs kleine Scheibenräder und vier „Augen“ aus Nuß- und Kirschbaum, Ahorn und Buche. In sie sind allenthalben Rillen eingesägt. Diese Teile verbindet man mittels flachen Dreiecken, Scheiben, Segmenten, Halbbögen, kurzen und langen Flachstäbchen. Das Ganze garniert man mit zwei Wollquasten.

Das ist alles – und schon ist entstanden Elefant oder Hubschrauber, Krokodil oder Denkmal, Negerhäuptling, Bersaglieri, dummer August, Schaukelstuhl mit Tante Emma. Man kann symmetrisch oder asymmetrisch oder auch völlig abstrakt arbeiten. Die Komposition bereitet keinerlei Schwierigkeit, denn, wie gesagt, die Teile haben zueinander schon vollendete Harmonie. Nicht mathematische, sondern ästhetische Harmonie. Die fertigen Gebilde zerlegt man nur ungern wieder. Wochenlang mag man sie auf Regalen, Kommoden oder Tischchen betrachten. Darin unterscheidet sich eben Faxlibutz von anderen Bausätzen, die ähnlich unerschöpflich sein mögen.

Wie Puzzle, ist es ein Einsiedlerspiel. Wie Puzzle reizt es Zuschauer zum Mitmontieren, und wie beim Puzzle stört das den eben damit Beschäftigten. Aber Faxlibutz kann, im Gegensatz zu Puzzle, auch von einer Gesellschaft gespielt werden. Ein Gastgeber braucht müden Gästen nur die Teilchen auf den Tisch zu schütten, und schon beginnt ein eifriges Kramen, schon entsteht ein Kollektiv-Kunstwerk.