DIE ZEIT

Guter Staat ist teuer

Herrscht in der Demokratie nur die Emotion statt der Vernunft? Selbst auf einem so nüchternen Gebiet wie dem der Finanzpolitik wird eine sachliche Diskussion in der Öffentlichkeit durch gefühlsbedingte Vorurteile nahezu unmöglich gemacht.

Labour mit konservativem Rezept

Das Weißbuch des britischen Verteidigungsministeriums ist ein Zwischenbericht. Eine endgültige Überprüfung der Verteidigungslage ist für Juli angekündigt.

Minister ohne Fortune?

Die Kritik an Bundesaußenminister Schröder, die schon abgeklungen war, wird in seiner eigenen Partei wieder vernehmlicher. Man gibt ihm die Schuld an der verfahrenen Situation im Nahen Osten.

Um Krieg und Frieden in Asien

Wenn Regierungen „Farbbücher“ veröffentlichen, dann wollen sie damit etwas entschuldigen, was war, oder etwas rechtfertigen, was kommen wird.

Politik mit Peking

Japans Ministerpräsident Sato: außenpolitische Ambitionen und innenpolitische Sorgen

Kossygins Absage

Auf einem Empfang im neuen Rathaus versicherte der sowjetische Regierungschef zwar, die Sowjetunion sei weit davon entfernt, die Bundesrepublik als einen „geschmähten Staat“ anzusehen; er sparte freilich auch nicht mir harter Kritik: Die Bundesregierung bemühe sich, in den Besitz von Kernwaffen zu gelangen und weigere sich, die Verjährungsfrist für Verbrechen im Dritten Reich aufzuheben.

Schon mehr als ein Flirt

In der Pariser Sowjetbotschaft wird der Hausherr wechseln: Auf den immer gutgelaunten, wortgewandten, politisch wie gesellschaftlich erfolgreichen Sergyej Alexandrowitsch Winogradow soll der zurückhaltende, fast verschlossene Valerian Sorin folgen.

Zeitspiegel

„Wir sind für eine Zusammenarbeit von den Kommunisten bis zu den bürgerlichen Gegnern der multilateralen Atomrüstung und bis zu den französischen Gaullisten, die Hitlergegner waren und die Hegemonie des westdeutschen Militarismus in Westeuropa ablehnen.

Gaullisten wollen ins Rathaus

Die genormten Plakattafeln, die in Frankreich das Zubehör der Wahlkämpfe sind, kündigen die Gemeindewahlen an, die am 14. und 21.

Niemand will, was er nicht soll

In Schanghai fragte ich einmal beiläufig einen Mann, wie es in seinem Land mit Ehescheidungen stände. Die Antwort kam prompt: „Natürlich kann man sich scheiden lassen.

Eberts Nachruhm

Eine Bundeswehrkaserne wurde nach Friedrich Ebert benannt, eine große Gedächtnisausstellung wurde eröffnet, der Bundesratspräsident legte am Grab Eberts in Heidelberg einen Kranz nieder, die Vertreter des „öffentlichen Lebens“ nahmen anläßlich seines 40.

Der Aufstand der Studenten

Dreitausend Studenten versammelten sich am Mittwoch vergangener Woche vor der Philosophischen Fakultät im Madrider Universitätsviertel.

Reform auf leisen Sohlen

Chruschtschows Stil ist passé. Seine hektischen Organisationsexperimente und die häufigen Mammutversammlungen im Kreml, auf denen eine Kampagne nach der anderen mit großem Pomp verkündet wurden, gehören der Vergangenheit an.

Wolfgang, Ehert.: Unsere Freunde

Es ist ein beglückendes Gefühl, Freunde zu haben, möglichst viele. Immer wenn ich, manchmal durch den Mund des Bundespräsidenten, von einem Herrscher im Schwarzen Erdteil höre, er sei ein Freund meines Volkes, schlägt mein Herz höher.

Bestürzung in Wien

Der plötzliche Tod des Bundespräsidenten Dr. Adolf Schärf hat die Österreicher schwer getroffen: Er erinnert sie daran, daß dieses Land in der Gegenwart zu arm an bedeutenden Männern ist und zu reich an Nekrologen für bedeutende Männer.

Verwoerds neuer Nachbar

Großbritannien hat wiederum einer seiner afrikanischen Kolonien den Weg zur Selbständigkeit geebnet: Am Montag durften die Einwohner des Protektorats Betschuanaland, zwischen Sambia und Südafrika, erstmals ein Parlament und eine eigene Regierung wählen.

Keine Verjährung

Bundesjustizminister Bucher (FDP) wollte zurücktreten, wenn das Bundeskabinett von seinem Entschluß abgehen sollte, die Verjährungsfrist für NS-Verbrechen aus rechtsstaatlichen Gründen nicht über den 8.

Chinas Stützpunkte in Afrika

In derselben Woche, als die Bundesregierung ihre Militärmission aus Tansania zurückzog, unterzeichnete der Präsident dieser ostafrikanischen Föderation, Julius Nyerere, in Peking einen Freundschaftsvertrag mit China.

Der Schah hilft dem Imam

Nasser ergeht es mit den Royalisten im Jemen wie den Amerikanern mit den Vietcong: Seine Flugzeuge beherrschen den Luftraum, seine Panzer kontrollieren die Straßen, seine Soldaten halten alle festen Punkte besetzt – aber in den Bergen des Nordens und den Wüsten des Ostens halten sich ungeschlagen die Heere des Imams und seiner Vettern.

Von ZEIT zu ZEIT

Ohne Teilnahme Chinas, Albaniens, Rumäniens, Nordkoreas, Nordvietnams, Japans und Indonesiens begann in der sowjetischen Hauptstadt eine Konsultations-Konferenz von 18 kommunistischen Parteien.

Strauß kontra Schröder

Franz Josef Sfrauß, der als Verteidigungsminister im Auftrage Adenauers die deutsche Rüstungshilfe für Israel angekurbelt hat und auch jetzt noch diese Politik gutheißt, nahm das Fiasko der Bonner Nahost-Politik zum Anlaß, um einen nicht genannten Bundesminister heftig anzugreifen.

Namen der Woche

Ella Mae Collins, Halbschwester des in Harlem ermordeten Negerführers Malcolm X, übernahm vorläufig die Leitung der von ihm gegründeten Segregationsbewegung.

Leipziger Allerlei

Ihr 800jähriges Jubiläum feierte am Wochenende die Leipziger Messe. Vergessen waren die Tage, als die westdeutsche Wirtschaft aus Protest gegen die Berliner Mauer die Messe boykottierte.

Nasser will nach Ostberlin

„Die Hallstein-Doktrin ist eine Leiche, die sich bereits zersetzt“, triumphierte der Außenminister der DDR, Lothar Bolz, als er zusammen mit Walter Ulbricht aus Ägypten zurückkehrte.

Der Streit um Nehrus Mantel

Der Besuch Walter Ulbrichts in Kairo wird als eine Herausforderung der Bundesrepublik gewertet. Das ist sicherlich richtig. Aber diese Herausforderung ist nicht der einzige Zweck dieser Reise.

Professoren in Deutschland

Der Arzt Dr. Herterich, der heute von Schweden aus das Bundesverfassungsgericht mit Material über die „braune Vergangenheit“ der deutschen Justiz versorgt, hat dafür gesorgt, daß die Würzburger Gerichtsbarkeit ins Zwielicht geriet.

„Oberschwäbische Krankheit“

In Baden-Württemberg droht sich die „oberschwäbische Krankheit“ auszubreiten. Sie ist nicht etwa eine besondere Spielart der „asiatischen Grippe“, die zu den Winterleiden gehört.

Sturm am Bodensee

Die Österreicher müssen in diesen Wochen bekennen, was ihnen ihre Zwei-Parteien-Volksdemokratie wert ist. In Bregenz wartet nämlich ein neues Schiff auf seinen Namen.

Nicht „geeignet relativiert“

Nun wissen es Hamburgs Studenten auch ganz offiziell: „daß die Verwendung der Bezeichnung DDR‘ auf Plakaten, die im Universitätsbereich aufgehängt werden sollen, nicht völlig verboten sei, sondern nur dann, wenn es an geeigneter Relativierung fehle.

Kosts Kostgang

Wenn Ludwig Kost lächelt, verzieht sich sein Gesicht, als habe er einen sauren Bonbon im Mund. Und Ludwig Kost lächelte viel in der letzten Zeit, schwankend zwischen Erstaunen und Verlegenheit über das Echo eines Unternehmens, das er jedem, der es hören wollte, als „meine eigene Initiative“ ausgab.

„... nicht schmutzig, oberschmutzig“

Frei nach Schiller appellierte der Fraktionsvorsitzende der CDU im Bielefelder Rathaus, Richard Dohse, an das Stadtparlament: „Geben Sie Freiheit hier in dieser Stadt, und befreien Sie uns von dem Schmutzfleck dieser Blätter auf der Bielefelder weißen Weste.

Rathenau

Die Persönlichkeit Rathenaus ist nicht leicht nachzuzeichnen, dazu war sie zu reich und zu vielschichtig. Es gibt einige gescheite Bücher über ihn, aber den besten Zugang zu seiner Persönlichkeit öffnen immer noch seine eigenen Schriften und Reden.

Mischung von Ost und West

Wenige Staatsmänner unterlagen in Deutschland größeren Fehlurteilen als der vor kurzem verstorbene indische Staatsmann Jawaharlal Nehru.

Wandlungen des Kommunismus

Nach dem letzten Besuch des österreichischen Außenministers Kreisky in Budapest äußerte ein hoher Beamter aus der österreichischen Delegation überrascht: „Wir wurden geradezu mahnend von den Ungarn an die gemeinsame Vergangenheit erinnert – obgleich diese doch mit der Doppelmonarchie zusammenfällt.

Offenherzige Erinnerungen

Heinrich Köhler, Lebenserinnerungen des Politikers und Staatsmannes 1878–1949. Unter Mitwirkung von Franz Zilken herausgegeben von Josef Becker, mit einem Geleitwort von Max Miller.

Ollenhauer

Wenn man dieses Buch liest, hat man wieder das Gefühl, als sei das Schicksal diesem Manne nicht ganz gerecht geworden und als habe man auch selber zu seinen Lebzeiten ihm nicht die volle Gerechtigkeit widerfahren lassen.

Publizistikwissenschaft in Amerika

Die meisten amerikanischen wissenschaftlichen Untersuchungen über Publizistik sind nur Fachleuten bekannt. Angesichts der steigenden Bedeutung der Massenkommunikationsmittel, die übrigens auch in Deutschland mehr und mehr anerkannt wird, ist das bedauerlich.

Todesstrafe?

Bücher werden heute zuweilen so schnell produziert wie Zeitungen. Dieses Taschenbuch, eine Frucht der wiederaufgelebten Diskussion um die Todesstrafe, ist ein Beispiel dafür, wie man ein aktuelles Informationsbedürfnis fast so fix und viel umfassender befriedigen kann, als eine Zeitung es vermöchte.

Ziel: Verständigungsfrieden

Die Erforschung der deutschen Geschichte des Ersten Weltkrieges steht gegenwärtig nicht nur im Brennpunkt der wissenschaftlichen Diskussion, sondern vollzieht sich auch unter außergewöhnlich starker Anteilnahme einer breiteren Öffentlichkeit und der Publizistik.

Theater

Von Max Frisch gibt es eigene, durch Bühnenwirkung korrigierte Bearbeitungen seiner dramatischen Werke bis zu fünf „Fassungen“.

Funk: Spirituals in deutsch

Zu Beginn seiner ersten, als „Versuch“ bezeichneten Sendung bekannte der Autor Kurt Heinrich Hansen: „Als ich zuerst versuchte, Spirituals zu übersetzen, habe ich nicht geglaubt, daß die deutschen Fassungen auch singbar sein würden.

Auszeichnungen in Oberhausen

Außerdem weist die Jury Junge Filmkritik die Öffentlichkeit darauf hin, daß sich der Interministerielle Ausschuß für Ost-West-Filmfragen trotz nachgewiesener Verfassungswidrigkeit als Zensurinstanz in der Bundesrepublik hartnäckig behauptet.

Fernsehen: Mainz hier, Mainz dort

In Mainz wurde zum elften Mal gelacht und gesungen; das Erste Deutsche Fernsehen hatte sich in die Höhle des anderen Löwen gewagt; Professor Holzamer, im kurfürstlichen Schloß mit von der Partie, lächelte freundlich in die Linse des Konkurrenzunternehmens.

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