Im Bundestag wurde unlängst der Saatssekretär des Verteidigungsministeriums wegen des „Marmeladen-Erlasses“ zur Rede gestellt. Und wenn man den Bericht über diesen Teil der parlamentarischen Fragestunde liest, muß man anerkennen, daß sich Staatssekretär Gumpel ganz vorzüglich geschlagen hat, als er die „Tunkenschüssel“ verteidigte und deutlich machte, wie wenig sich der Suppenteller als Transportgerät für Militär-Marmelade eignet.

Welch bedeutende Rolle die Marmelade im Soldatenleben spielt, ist auf diese Weise vor dem Angesicht des deutschen Volkes klargestellt worden. Und wenn je ein Erlaß für die Truppe nötig war, dann dieser, der besagt, daß Marmelade künftig nicht mehr in Suppentellern, sondern nur noch in Tunkenschüsseln verabreicht werden darf.

Zweifellos hat das Verteidigungsministerium hier vor einer schwierigen Aufgabe gestanden. Auf der einen Seite drangen heftige Beschwerden der Bundeswehrangehörigen an das Ohr der Oberen Führung. Nachtmärsche mit schwerem Gepäck, die Pflicht, stramm zu stehen und schon morgens um sechs aus mürrischen Kehlen fröhliche Lieder zu singen – alles wollten unsere Soldaten ertragen, aber dieses nicht: Nie und nimmermehr wollen sie Marmelade in Suppentellern „empfangen“. Auf der anderen Seite lag der Gedanke nahe, spezielle Marmeladen-Behälter einzuführen – eine Idee, deren Verwirklichung unseren Wehretat nicht unbeträchtlich erhöht hätte.

In dieser Lage, in der es darauf ankam, der Truppe einesteils nachzugeben, aber anderenteils auch wieder nicht zu sehr, bot sich der Rückgriff auf die Tunkenschüssel als die geniale Lösung an. Die Tunkenschüssel war schon vorhanden und bot sich sogar kritischen Soldatenblicken in ästhetisch reizvoller Form dar. In den Rang einer Mehrzweck-Schüssel erhoben, wird dieser Behälter beiden Zwecken gerecht: dem Empfang sowohl von Marmelade als auch von Tunke. Es ist hier nur noch eine kleine Zusatzverordnung nötig: Es sollten nämlich Tunke und Marmelade möglichst nicht zugleich in die Schüssel gegossen, beziehungsweise gepatscht werden.

Es wird so mancher alte Kamerad sich mit Entsetzen daran erinnern, daß er, als er noch im Ehrenkleide ging, in seinem Suppenteller alles auf einmal davontragen mußte: ein Stück Leber- oder Blutwurst, ein bißchen Käse in Stanniolpapier, Margarine und schließlich jenen schönen roten „Klacks“ Marmelade, der in dieser Gesellschaft mit Recht unruhig hin und her rutschte.

Um es noch einmal zusammenzufassen und damit dem Verständnis der Truppe und der Allgemeinheit näherzubringen: Wer den Sinn der „Marmelade – Verordnung“ so recht begreifen will, richte sein Augenmerk auf die ihr zugrunde liegenden Prinzipien. Sie heißen: Erstens, nicht alles in einen Topf werfen; zweitens, den Beschwerden und Wünschen zwar nachkommen, aber nicht zu weit; drittens, Geschmeidigkeit und dabei doch auch Festigkeit.

Wäre es nicht möglich, daß wir aus der Marmelade unseserer Ostpolitik ganz einfach auf dem Wege einer Verordnung herauskämen?