HAMBURG (Museum für Kunst und Gewerbe):

„Plakat- und Buchkunst der Ecole de Paris von 1890 bis 1964“

Eine Pariser Plakatwand aus den neunziger Jahren, mit Toulouse-Lautrec, Steinlen, Vallotton, Villon: die moderne Plakatkunst hat zu hoch eingesetzt, das Niveau war nicht zu halten. Tou-Iouse-Lautrec hat keine Schule gemacht, auch nicht in der Ecole de Paris, die mit ihren besten Künstlern und mit herrlichen Blättern, bis zur Gegenwart, in dieser umfassenden Ausstellung vertreten ist. Nur handelt es sich nicht um Plakatkunst, sondern um Künstlerplakate, um Plakate für die eigene Ausstellung. Es ist guter Pariser Brauch, der sich längst in anderen Ländern eingebürgert hat, daß die Maler dafür irgendeine typische und dekorative Graphik verwenden, so daß, wer die Plakate sammelt, sich einen Schatz an moderner Graphik mit relativ bescheidenen Mitteln zulegen kann. Nur mit Werbung, zu der das Plakat sonst verpflichtet ist, hat das kaum zu tun, es sei denn im Sinne einer Eigenwerbung. Allein die Picasso-Plakate (aus dem Besitz des Museums) füllen einen ganzen Raum. Halbwegs ins Werbefach gehören die Künstlerplakate aus den zwanziger Jahren, mit schönen Beispielen von Herbin, Chirico, Larianoff und der Gontscharowa, die einen Bai de Nuit kubistisch kostümiert. Es gibt zwischen Lautrec und der Ecole de Paris ein Lach- und Gruselkabinett, mit Plakaten von Alfons Mucha und Eugen Grasset, die sich routiniert im Grenzland von Jugendstil und Kitsch bewegen. Außer den Plakaten sieht man Bücher, die von Pariser Künstlern illustriert wurden. Selbst diese nicht annähernd erschöpfende, zufällige Auswahl läßt keinen Zweifel, daß hier und nicht bei den Plakaten die großen Leistungen der Ecole de Paris zu suchen sind. Zu den weniger bekannten Werken von erstem Rang gehören Derains Farbholzschnitte zum „Pantagruel“ und die Radierungen Dufys zu „La belle enfant“ von Montfort. Professor Lise Lotte Möller nannte in diesem Zusammenhang die dreißiger Jahre „eine verborgene Blütezeit“ – die Kunst der dreißiger Jahre ist nicht nur auf dem Gebiet der illustrierten Bücher noch weitgehend unentdeckt; ein ergiebiges Thema, wenn einmal der Run auf die zwanziger Jahre vorüber ist. Die Ausstellung endet am 4. April.

DÜSSELDORF (Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen);

„Vier Schweizer Bildhauer“

Wenn man von den Schweizer Bildhauern absieht, die, wie Giacometti, Tinguely und Robert Müller nach Paris gingen und da ihr Glück gemacht haben, gehören Hans Aeschbacher, Walter Bodmer, Walter Link und Bernhard Luginbühl zur ersten Schweizer Garnitur. Bis auf Luginbühl waren sie laut Katalog „Zeugen der Geburt der abstrakten Kunst und haben wesentlich und mit Nachdruck dazu beigetragen, diese Kunst in ihrer Heimat endgültig durchzusetzen“. Eine bemühte, inzwischen etwas überholte, antiquierte Fortschrittlichkeit, die Skulpturen sind mit Schweizer Präzision und handwerklicher Solidarität gearbeitet und „durchgeplant“. Jeder hat sein thematisch und stilistisch begrenztes Ressort, auf dem er, in vielen Jahren nur geringfügig variierend, Beachtliches leistet: Aeschbacher seine aus dem Stein gehauenen Stelen, Bodmer mit drahtigen Spiralen, Linck mit seinen mobilen Eisenkonstruktionen, die graphische Lineamente in den Raum schreiben. Luginbühl ist der jüngste und beweglichste, seine Eisenfigurationen wechseln von der technischen Maschinerie ins Anthropomorphe – für die junge Generation in der Schweiz bedeutet Abstraktion offenbar kein Dogma mehr. Bis zum 14. März.

BERLIN (Galerie Nierendorf): „Joachim Karsch“

Zum zwanzigsten Todestag von Joachim Karsch bringt die Galerie Nierendorf, die seinen künstlerischen Nachlaß betreut, eine Gedächtnisausstellung mit achtzig Skulpturen und etwa zwanzig graphischen Blättern. Sein Werk ist unter den denkbar schwierigsten Umständen entstanden, aus der unglücklichen Lebenssituation hat Karsch den eigenen künstlerischen Stil entwickelt. Seine geduckten, verkümmerten Figuren stehen unter einer seelischen Belastung, der sie nicht gewachsen sind. Manches erinnert an Barlach, auch an Gerhard Marcks. Am eindrucksvollsten in ihrer genauen Entsprechung von Ausdruck und plastischer Geste sind die Einzelfiguren und Zweiergruppen aus den dreißiger Jahren. Man muß sich die damalige deutsche Situation vergegenwärtigen, um Joachim Karsch und seine zu keinem Kompromiß geneigte Arbeit zu würdigen. Die Ausstellung endet am 5. Mai. g. s.