Ihr 800jähriges Jubiläum feierte am Wochenende die Leipziger Messe. Vergessen waren die Tage, als die westdeutsche Wirtschaft aus Protest gegen die Berliner Mauer die Messe boykottierte. Noch nie zuvor waren soviel Geschäftsleute aus der Bundesrepublik in Leipzig zu sehen wie in diesem Frühjahr. Sie zeigten sich jedoch besorgt über die Konkurrenz anderer westlicher Länder. Franzosen und Italiener konnten dank langfristiger Kredite gut ins Geschäft kommen. Dieser neuen Praxis der EWG-Partner will sich Bonn jedoch nicht anschließen, da der Interzonenhandel nach dem EWG-Protokoll ein innerdeutscher Handel ist, in dem es keine Bürgschaften für Exportkredite gibt.

Prominentester Ehrengast in Leipzig war der sowjetische Ministerpräsident Kossygin, der von seinem DDR-Kollegen Stoph mit großer Umarmung (siehe Bild) empfangen wurde. Der sowjetische Besucher hielt sich, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Chruschtschow, sehr zurück. Der Presse gab er, nach seinen Reiseterminen für London, Washington und Bonn befragt, unverbindliche Auskünfte, die eher verwirrten als klärten. Bei seinem Rundgang passierte er auch den chinesischen Pavillon, in dem die Genossen aus Peking demonstrierten, daß sie auch aus eigener Kraft und ohne Sowjethilfe vorankommen.