K. H., Hamburg

Nun wissen es Hamburgs Studenten auch ganz offiziell: „daß die Verwendung der Bezeichnung DDR‘ auf Plakaten, die im Universitätsbereich aufgehängt werden sollen, nicht völlig verboten sei, sondern nur dann, wenn es an geeigneter Relativierung fehle.“ So steht es in einem Beschluß des Akademischen Senats, der dem gemeinen Universitätsbürger in den nächsten Tagen mitgeteilt wird. Den Beschluß faßte man freilich schon vor mehr als einem Jahr. Seitdem wurden Plakate konfisziert, auf denen jene anstößige Buchstabenkombination nicht „geeignet relativiert“ ist. (Vgl. ZEIT Nr. 7 vom 12. 2. 1965)

Mit diesem Beschluß hatte man sich allerdings in Hamburg, trotz eines formalen Protests des AStA, längst abgefunden. Was nun doch noch einige Aufregung verursachte, war seine Begründung. Vor drei Wochen hatte das offizielle AStA-Organ „Auditorium“ – um den im Universitätsviertel umgehenden Gerüchten ein Ende zu setzen – versucht, die politischen Erwägungen des Rektors Spermer und die juristischen Überlegungen einiger Senatsmitglieder, die zu dem Erlaß führten, den Studenten mitzuteilen. Seine Magnifizenz riet dem AStA darauf, sein Mitteilungsblättchen einzustampfen.

Nun gibt es endlich auch eine für akademische Öffentlichkeit formulierte Begründung der Relativierungs-Anordnung. Sie kann allerdings nicht das Ende der kleinen Affäre sein. Denn was in diesen Tagen im „Auditorium“ zu lesen sein wird, ist ebenso erstaunlich, unverständlich und ärgerlich wie die ganze groteske Vorgeschichte des Streites um die zwei „Gänsefüßchen“. Man muß diese Begründung vollständig zitieren:

„Dem Beschluß des Senats liegt die Erwägung zugrunde, daß die junge Demokratie in der Bundesrepublik die größten Anstrengungen macht, das Recht zu wahren und nicht der Gewalt in der Gestaltung des Zusammenlebens der Völker Raum einzuräumen,

daß die Universität in allen ihren Teilen für diese Anstrengungen Verständnis haben und mit politischem Takt alles vermeiden sollte, was diesen Willen zum Recht desavouiert, und daß die Plakate, für deren Aushang im Universitätsbereich die Genehmigung der Universitätsverwaltung erforderlich ist, keine Form der Meinungsäußerung, sondern eine Ankündigung von Veranstaltungen mit werbendem Charakter darstellen.“

Man muß das mehrmals lesen – um es dann immer noch nicht zu verstehen. Da steht etwas von junger Demokratie, zu wahrendem Recht, Willen zum Recht und politischen Takt. Das steht dort zur Verteidigung einer Anordnung, von der die Betroffenen offiziell nichts wissen durften, da sie „vertraulich“ war, und nach der Plakate konfisziert wurden, die sich nicht an die „übliche Sprachregelung“ (Professor Spermer) hielten. Die Buchstabenkombination DDR ist nach dieser Begründung nicht nur unüblich, sondern auch eine Meinungsäußerung, die Bezeichnung SBZ üblich und von „werbendem Charakter“. Erdacht wurden diese Sätze von Professoren – unter ihnen Juristen.