Von René Drommert

Walter Heynowskis 31 Minuten langer Dokumentarfilm „o.k.“, den die DEFA als Wettbewerbsbeitrag vorführte, erregte auf den diesjährigen (XI.) Westdeutschen Kurzfilmtagen in Oberhausen das meiste Ärgernis. Der Film, der im Aufnahmeheim für Übersiedler und Rückkehrer in Eisenach, spielt, ist schon stilistisch ein Monstrum: kaum ein Dialog, eher der illustrierte Monolog eines Mädchens, das ein paar Jahre in der Bundesrepublik verbracht hat und nun von Deutschen und Amerikanern erzählt. Die Schilderung von Baumholder, der amerikanischen Garnison im Hunsrück, wo etwa 8000 Einwohner leben und 24 000 US-Soldaten und wo unsere Doris als Barmädchen auftrat, animierend und für Prozente auch Betätschelungen, zum mindesten das, mit Lachen hinnehmend, ist – was bei Baumholder doch gar nicht nötig wäre – tendenziös verzerrt. Natürlich spielt auch der Rassenhochmut der weißen gegenüber den schwarzen Amerikanern in diesem Propagandastückchen eine wichtige Rolle.

Bundesinnenminister Hermann Höcherl, dem die Beteiligung der DEFA eingestandenermaßen ein Dorn im Auge und ein Hauptargument für die Verweigerung finanzieller Unterstützung Oberhausens ist, hätte einen Mann seines Vertrauens zu den Kurzfilmtagen schicken sollen. Dieser Mann hätte ihm dann berichten müssen, daß von einer kritiklosen Hinnahme östlicher Filme keine Rede sein konnte, „o.k.“ fand die negativste Aufnahme des Festivals, der Film wurde quasi „in der Luft zerrissen“, die Vorführung drohte in Tumult auszuarten und wurde sogar kurz unterbrochen (das Licht im Saal ging an), und in der Diskussion wurde der Wettbewerbsbeitrag als eine „Frechheit“ bezeichnet.

Nein, das Publikum ist hier nicht „rot“, es ist etwas anderes: kosmopolitisch. Das bedeutet, daß es den Beitrag eines der 46 vertretenen Länder bejubelt, den anderen mit Buh-Rufen quittiert: je nach der Qualität des Films, nicht nach der vermeintlichen Qualität seines Ursprungslandes.

Ich zweifle dennoch, ob es richtig ist, solch einen Film in der Bundesrepublik zu verbieten. Wichtiger wäre es wohl, daß solch ein Film auch von seinen Herstellern als verzerrend erkannt wird. Damit solche Erkenntnis sich entwickeln und durchsetzen kann, sollten die DEFA-Leute des öfteren zu uns und zu unseren Festivals kommen, um die Wirklichkeit kennenzulernen: auch in Oberhausen.

Die DDR ist ohne jeden Preis geblieben, was wiederum nicht etwa Schuld vorurteilender Bundesdeutscher ist; denn die Jury ist international.

Mir gefielen die beiden anderen DEFA-Filme nicht übel: „Nur ein Viertelstündchen“ von Heinz Müller, ein Stückchen Selbstkritik, und „Die Probe“ von Ahmed Romhi.