Zu einer Zeit, da allerorten Selbstbedienungsladen aus dem Boden schießen und auch der kleine Kolonialwarenhändler in der Kleinstadt sich in seinem Geschäft umstellt und die Hausfrau in den Regalen wühlen läßt, wird man nicht den Zeigefinger heben dürfen, wenn auch die deutsche Schlafwagengesellschaft sich etwas einfallen läßt, um ihren Betrieb zu rationalisieren und bei der Bundesbahn den Büfettwagen mit Selbstbedienung einsetzt. Die Zeiten der gemütlichen Postkutsche sind vorüber. Das Reisen mit der Eisenbahn ist längst kein Luxus mehr. Und auch das Frühstück oder das Mittagessen im rollenden Restaurant ist nicht mehr ein Privileg für wenige, denn nur noch wenige bringen ihre Stullen und Brötchen oder den Kaffee in der Thermosflasche ins: Abteil mit. Aber warum nicht schnell einen Sandwich am Büfett kaufen, eine Cola, Kaffee oder Bier? Mitunter lohnt sich der Aufwand, ein großes Mittagessen einzunehmen, nicht, mit drei Gängen und einer überforderten Bedienung und wartenden Gästen im Hintergrund. Den Speisewagen mit geschulten Kellnern wird es weiter geben auf den großen internationalen Strecken, man wird gepfefferte Preise für ein Menü zahlen. Den Geschäftsreisenden mit Spesen wird es wenig ausmachen. Aber der einfache Urlauber kalkuliert knapper.

Die großen Touristikunternehmen (Scharnow, Touropa, Hummel), die seit langen Jahren ihre Erfahrungen mit „Reisen auf der Schiene“ haben, wissen, daß von tausend Kleinigkeiten die Attraktivität ihrer Bahnreisen abhängt, die Art, wie und was dem Reisenden im Zug angeboten wird, spricht sich schnell herum, im Guten wie im Schlechten. Im vergangenen Jahr war das „Schienenprogramm“ der drei Unternehmen rückläufig, im Laufe der Jahre hatten sich Unerfreulichkeiten in die Dienstleistungen eingeschlichen, die Kartoffeln, die der Ober im Zug von Venedig nach Hamburg dem Touropa-Gast auf den Teller knallte, waren dafür nur symptomatisch.

Die Touristikunternehmen, die auf die Dienste der DSG nur indirekt Einfluß nehmen können, drangen jetzt darauf, daß eine neue Art von Büfettwagen eingeführt wird (im Juli werden, sie eingesetzt), in denen der Gast bequem und schnell zu seinen Getränken kommt, wo er aber auch vollständige Mahlzeiten zu sich nehmen kann. Die Wagen führen tiefgekühlte Gerichte mit sich, die Prozedur des Entfrostens und Zubereitens geht in Minuten vor sich, der Reisende bekommt das Essen auf einer Platte serviert.

Die Touristikunternehmen führten im vergangenen Jahr auch eine neu entwickelte Decke für die Liegewagen ein. Vorwiegend besteht sie aus Papier, sie ist recht hygienisch, sie ist leicht, handlich, wärmt und kann auch während des Urlaubs für kalte Tage benutzt werden. Auch für die Rückreise sollte sie noch halten. Die Decke hat sich bewährt, kurz, man läßt sich etwas einfallen.

An vieles wird sich der Zugreisende mit der Zeit gewöhnen müssen, an Papierdecken und entfrostete Gerichte. Schließlich aber öffnet er auch zu Hause die Dose mit Büchsenmilch und melkt nicht mehr seine eigene Kuh im Stall. H. K.