Wilbur Schramm: Grundfragen der Kommunikationsforschung. Juventa Verlag, München, 192 Seiten, 9,80 DM.

Die meisten amerikanischen wissenschaftlichen Untersuchungen über Publizistik sind nur Fachleuten bekannt. Angesichts der steigenden Bedeutung der Massenkommunikationsmittel, die übrigens auch in Deutschland mehr und mehr anerkannt wird, ist das bedauerlich. Daher ist die Herausgabe dieses verhältnismäßig billigen, schmalen Bandes verdienstvoll. Er gibt eine brauchbare Übersetzung von zwölf Sendungen der „Stimme Amerikas“, in denen zwölf Amerikaner Forschungsprobleme, -methoden und -ergebnisse dargestellt haben.

Der Leser erlebt, wie amerikanische Professoren gleichzeitig wissenschaftlich präzise und allgemein verständlich, ja interessant sprechen. Wilbur Schramm (Stanford-Universität), wohl der bekannteste Fachmann auf seinem Gebiet, war Leiter der Sendereihe, die auch in den Vereinigten Staaten als Buch erschienen ist. Er selbst gibt einen Überblick über die Kommunikationsforschung in den Vereinigten Staaten. Außerdem stellt er die Autoren jeweils kurz vor.

Dadurch und durch ihre Beiträge lernt der Leser die wichtigsten Fachleute der amerikanischen Massenkommunikationsforschung, ihre persönliche Eigenart, ihre Forschungsrichtung und ihre besonderen wissenschaftlichen Einstellungen kennen – auch ihre Bescheidenheit. Einer fehlt: Carl Hovland (Yale Universität), weil er während der Vorbereitung der Sendereihe gestorben ist. An seiner Stelle sprach einer seiner Mitarbeiter, J. L. Janis. Dessen Beitrag wird systematisch ergänzt durch den von Nathan Maccoby (Stanford-Universität). Mit seiner reizvollen Überschrift „die neue wissenschaftliche Rhetorik’“ knüpft er an die alte Rhetorik an, auch rtiit der Fragestellung: „Gibt es einen Kanon von Prinzipien, nach denen wir voraussagen können, welche Wirkung eine Mitteilung auf einen bestimmten Empfänger ausübt?“ Die Arbeit von Hovland, seinen Mitarbeitern und Schülern charakterisiert Maccoby im letzten Satz seiner kurzen Einführung in diesen interessanten Zweig der amerikanischen Forschung so: Sie ergründen „durch einfallsreiche Formulierungen der Theorie und dadurch, daß sie die Hypothesen aus diesen Theorien durch das läuternde Feuer von experimentellen Überprüfungen schicken, ein sich ständig ausweitendes Gebiet der Forschung“.

Um nur noch einige in Deutschland den Fachkollegen bekannte Namen zu nennen: Der Band enthält Beiträge von Leon Festinger, Elihu Katz, Paul Lazarsfeld, Ithiel de Sola Pool. Dem Inhalt nach reichen die Beiträge von theoretischen Erklärungsversuchen bis zur Deutung der Rolle der Lehrmaschinen, „der bedeutendsten Entwicklung auf dem Gebiet der Lehr- und Lernhilfen seit der Erfindung der Buchdruckerkunst“. Die Autoren behandeln psychologische, pädagogische, soziologische und politische Aspekte der Publizistik. Das Gesamtbild ist farbig, vielleicht zu mannigfaltig. Aber das ist insofern richtig, weil die Amerikaner – im Gegensatz zu manchen europäischen Hoffnungen – selbst mit den vereinten Kräften mehrerer Wissenschaftler eben auch noch keine umfassende Theorie der Publizistik zustande gebracht haben. Sie sind davon noch weit entfernt. Das Buch zeigt aber auch: sie sind der Lösung einer Reihe von Teilproblemen weit näher, als wir es in Europa sind.

Fritz Eberhard