Walther Rathenau: Schriften und Reden. Herausgegeben von Hans Werner Richter. S. Fischer Verlag, Frankfurt. 484 Seiten. Paperback 12,80 DM

Die Persönlichkeit Rathenaus ist nicht leicht nachzuzeichnen, dazu war sie zu reich und zu vielschichtig. Es gibt einige gescheite Bücher über ihn, aber den besten Zugang zu seiner Persönlichkeit öffnen immer noch seine eigenen Schriften und Reden. Hans Werner Richter legt eine Auswahl vor, von der man sagen darf, daß sie kaum einen berechtigten Wunsch offenläßt. Die Briefe sind nicht dabei, was man beklagen mag. Aber sie hätten wohl den Rahmen dieses Buches gesprengt. So aber ist es möglich gewesen, beispielsweise aus den „Kommenden Dingen“ 235 Seiten in diese Auswahl zu übernehmen, also wohl alles, was heute noch fesselt und lesenswert ist. Man blättert dann im „Kaiser“, liest sich fest an einzelnen Sätzen, nimmt schließlich die ganze Schrift noch einmal von Anfang bis zum Ende vor und bewundert von neuem die tiefen Einsichten, den Gerechtigkeitssinn, den Reichtum an Formulierungen. Vieles aus anderen Schriften und Reden ist zeitgebunden; aber überall findet man auch das Bleibende, die Einsicht in die zerstörende Kraft der mechanisierten Zeit und zugleich die lebendige Hoffnung auf die neuerweckten Kräfte inneren Erlebens. H. H.