Franz Josef Sfrauß, der als Verteidigungsminister im Auftrage Adenauers die deutsche Rüstungshilfe für Israel angekurbelt hat und auch jetzt noch diese Politik gutheißt, nahm das Fiasko der Bonner Nahost-Politik zum Anlaß, um einen nicht genannten Bundesminister heftig anzugreifen. In der von ihm herausgegebenen Wochenzeitung „Bayern-Kurier“ schrieb er:

„Es ist nicht nur engstirniger Egoismus und billiger Opportunismus, sondern auch glatte politische Torheit, wenn heule – angesichts einer von Moskau geplanten und von Kairo bewußt in Kauf genommenen Krise – jemand, der an sich zur Wahrung der deutschen politischen Interessen berufen wäre, die einmal eingeleitete und jahrelang erfolgreich durchgehaltene deutsche Politik des Balance-Aktes im Nahen Osten nun zur Bemäntelung der späteren Unterlassungen ‚Dummheit‘ oder ‚Fehler‘ nennt und von einer ‚Schuld‘ spricht. Jetzt Dokumentationen’ in Auftrag geben, die nur eigene ,Unschuld’ beweisen sollen, bedeutet nichts anderes als Sündenböcke zu suchen ...

... Da der weitaus größte Teil von Waffenlieferungen in die Zeit der Kanzlerschaft Erhards fällt, läuft nun jede verspätete Kritik innerhalb des Kabinetts darauf hinaus, dem Kanzler von heute den Vorwurf der Enfschlußlosigkeit und einer schweren Unterlassung zu machen. Auf diese Weise wird Erhard das Grab geschaufelt, in einem Augenblick, wo sich selbst solche Kritiker hinter den Schild seiner Autorität flüchten, um mit der nahöstlichen Schwierigkeit fertig zu werden. Es geht jetzt wirklich nicht darum, billige Alibis zu suchen, sondern ein seinerzeit festgelegtes, vernünftiges und wohlabgewogenes Stück deutscher Politik zu vertreten. Es ist klar, daß die Durchführung des Balance-Aktes im Nahen Osten mehr verlangt hätte als selbstgefällige Untätigkeit, die sich jetzt mit der Berufung auf eine angebliche Entschlußlosigkeit des Kanzlers rechtfertigen möchte. Ein Minister, der – wie es nun heißt – mit der Politik des Kanzlers und der Regierung nicht einverstanden war, hätte daraus die Konsequenzen ziehen und füglich zurücktreten müssen.“