Jan Wolfgang Berlit: Todesstrafe – im Namen des Volkes?; Wolf Freiherr von Tucher Verlag, Diessen/Ammersee; 168 Seiten, 3,90 DM.

Bücher werden heute zuweilen so schnell produziert wie Zeitungen. Dieses Taschenbuch, eine Frucht der wiederaufgelebten Diskussion um die Todesstrafe, ist ein Beispiel dafür, wie man ein aktuelles Informationsbedürfnis fast so fix und viel umfassender befriedigen kann, als eine Zeitung es vermöchte. Freilich ist das Buch äußerst unsorgfältig gesetzt und wohl kaum korrigiert worden; es enthält zahlreiche Druckfehler und falsch geschriebene Namen.

Der Autor, Amtsgerichtsrat in Hannover, erklärt sich gleich zu Anfang als Gegner der Todesstrafe. Er handelt dann im einzelnen die Argumente ab, die für die Wiedereinführung geltend gemacht werden. Seine Stellungnahme ist sehr persönlich gehalten, man spürt das Ringen um die richtigen Antworten insbesondere bei der Auseinandersetzung mit den Theologen, von denen sich so auffallend viele für die schwerste und irreparable Strafe ausgesprochen haben.

Ein prominenter evangelischer Theologe, der Erlanger Professor Walter Künneth, hat sich sogar zu der Bemerkung verstiegen, das Amt des Henkers stehe „im Dienst der Nächstenliebe gegenüber der menschlichen Gesellschaft“. Mutig zieht Berlit zu Felde gegen alttestamentarische Rachegelüste, mittelalterliche Vergeltungspraxis und neuzeitliche Menschenverachtung (wie sie sich etwa in der Abwägung der „Wirtschaftlichkeit“ der verschiedenen Strafen zeigt). Er scheut sich auch nicht, heikle Aspekte zu erörtern – so gibt er zu, daß die Mehrzahl der Lebenslänglichen nach zwölf bis zwanzig Jahren Zuchthaus begnadigt wird, rechtfertigt dies aber mit überzeugender Begründung.

Das Buch wendet sich an den „Normalbürger“, der ja nach manchen demoskopischen Untersuchungen eher zur Befürwortung als zur Ablehnung der Todesstrafe neigt. Mit seiner auf die Erfahrung eines Strafrichters gegründeten klaren Entscheidung wird es die Leser zwingen, ihre Vor-Urteile zu überprüfen. Wer das Buch aber als Gegner der Todesstrafe liest, ist wieder einmal froh, daß der Parlamentarische Rat ihre Abschaffung ins Grundgesetz aufgenommen hat – übrigens auf Antrag von Hans-Christoph Seebohm und gegen die Stimme Konrad Adenauers. Hans Peter Bull